Villa Franz Hermann Dietel
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Villa Franz Hermann Dietel
Innenbereich
Historische Aufnahmen

Anschrift: Greiz, August-Bebel-Straße 19
Baujahr: um 1895
Bauherr: Franz Hermann Dietel, 1840-1899, Fabrikant (siehe auch Grabstätte Hermann Dietel, Firmengebäude Dietel)
Architekt: ungeklärt
jetzige Besitzverhältnisse: Privatbesitz

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Wir haben bisher fälschlich auf der Grundlage einer nichtzutreffenden Information die Villa der Fabrikantenfamilie ALBERT zugeordnet. Wir stellen nunmehr richtig und gehen davon aus, dass die Villa von der Fabrikantenfamilie Franz Hermann Dietel errichtet wurde. (RIES 2015)
Unsere Hauptquelle, Frau Sabine Ries, wohnte selbst in der Villa, wuchs dort auf und war Patenkind von Bruno Dietel, einem Sohn Hermann Dietels. Er hatte nach dem Tod des Vaters die Leitung der Firma und die Villa als Wohnsitz übernommen. Die Familie unserer Informandin Sabine Ries ist unter dem Namen Lungwitz 1948 in der August-Bebel-Straße 19 nachweisbar. (ADRESSBUCH Greiz 1948)
Im Jahr 1892 bestand die Villa noch nicht. Im ADRESSBUCH 1892 ist sie als Wohnadresse (damals Idastraße 19) noch nicht vertreten. Der Bauherr Franz Hermann Dietel verstarb im Jahr 1899. In dem Zeitraum zwischen 1892 und 1899 muss demnach die Villa entstanden sein. Der Fabrikant Hermann Dietel ist im ADRESSBUCH 1892 noch in der Brauhausgasse 1 zu finden.
Dietel war der Gründer und Inhaber der Greizer Wollen-Weberei Hermann Dietel Mollbergstraße 22 (vormals Rosengasse). Siehe Firmengebäude Dietel. Die Firma wurde 1889 gegründet und bestand bis zur Enteignung im Jahre 1948. (SCHNEIDER 2015)
Die Dietelsche Firma ging aus der Firma F.H. Malz, gegründet 1864 hervor. (SCHNEIDER 2015) Dietel war mit einer Malz-Erbin verheiratet. Seine Ehefrau war Caroline Dietel, geb. Malz (1845-1923). Beide sind in der Grabstätte Hermann Dietel auf dem Neuen Friedhof in Greiz beerdigt. Das Firmengelände der Wollweberei Dietel lag zwischen der Mollbergstraße und der Idastraße (jetzige August-Bebel-Straße). Es reichte somit ganz nah an die Villa Franz Hermann Dietel an der August-Bebel-Straße 19 heran.
Franz Hermann Dietel und seine Ehefrau Caroline hatten drei Söhne, Paul und die Zwillinge Bruno und Alfred. (RIES 2015) Paul Dietel war nicht leitend in der Firma tätig. Er wohnte als Mitinhaber der Firma im Gartenweg 2 (ADRESSBUCH 1937), später in der August-Bebel-Straße 23. (Gelände der Firma Dietel, ADRESSBUCH 1948)
Alfred Dietel, ebenfalls Teilhaber der Firma, wohnte mit seiner Ehefrau Isolde im Haus Papiermühlenweg 33. (ADRESSBUCH 1937) Alfred fiel im 2. Weltkrieg. Seine Witwe Isolde ist 1948 unter der gleichen Anschrift nachzuweisen. (ADRESSBUCH 1948)
Der dritte der Brüder, Bruno Dietel leitete nach dem Tod des Vaters (1899) die Firma bis zur Enteignung 1948 und wohnte mit seiner Ehefrau Elsbeth in der Villa August-Bebel-Straße 19 (ADRESSBUCH 1937) Bruno Dietel ist auch über das Fernsprechnetz (TELEFONBUCH um 1935) unter der Anschrift der Villa nachweisbar.
Die Eheleute prägten somit maßgeblich das Schicksal der Villa. Als beide nach der Enteignung ihre Villa verlassen mussten, kam Ehefrau Elsbeth nicht darüber hinweg und wählte den Freitod. Der tragische Tod der Hausherrin sollte in Erinnerung bleiben. Bruno Dietel verließ Greiz. (RIES 2015)
Der Name Albert ist in den Adressbüchern 1937 und 1948 unter den Bewohnern der Villa Idastraße 19 bzw. August-Bebel-Straße 19 nicht nachweisbar. Die Zuordnung der Villa zur Familie Dietel ist somit zweifelsfrei.
Betrachten wir nun das Villengebäude näher. Es ist eine repräsentative Villa, erbaut im Stil des Gelbklinker/Sandstein-Historismus. Der Sockel besteht aus unregelmäßigen Grünsteinblöcken.
Die Villa zählt zu den hervorragenden Greizer Gründerzeitgebäuden, obwohl sie pflegebedürftig ist. Sie steht auf einem Eckgrundstück und ist von allen vier Seiten von einem Grundstückstreifen umgeben.
Die Hauptfassade ist interessant untergliedert. Rechts und links wird das Gebäude von viereckigen turmartigen Gebäudeteilen flankiert. Vor dem zurückgesetzten Zentralteil befinden sich in beiden Etagen Terrassen. Die untere ist über zwei seitliche Freitreppen zu erreichen.

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Links befindet sich eine Einfahrt.

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In der der Einfahrt zugewandten Hausseite befindet sich das prachtvolle Portal. Es ist über eine Freitreppe zu erreichen.
An der rechten Seite des Gebäudes befindet sich der zweistöckige Wintergarten.

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Alte Schmuckverglasungen sind nicht zu erkennen.
Ostfassade der Villa mit dem Wintergarten.

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Der Garten ist verwildert. Prächtige alte Bäume mischen sich mit Wildwuchs, so dass das Gebäude nicht zur Geltung kommt.

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Nordfassade. Wenn der Wildwuchs im Garten nicht belaubt ist, bekommt man einen guten Eindruck von der Fassade. Man erkennt auch zwei große bleiverglaste Fenster, auf deren Anblick von innen wir gespannt sind.

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Neben sehr gut erhaltenen Sandsteinelementen

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finden sich Strecken starker Verwitterung.

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Das schmiedeeiserne Tor sowie die Pforte sind verloren.

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Lediglich Reste des alten Zaunes finden sich noch.
Im zweiten Obergeschoß wurden unpassende Fenster eingebaut.

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Trotz seines ungepflegten Zustandes beeindruckt das Gebäude und lässt seine ursprüngliche Schönheit erahnen.

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Wir betrachten noch einige schöne weitere Details:
Teil der Westfassade mit bleiverglasten Fenstern

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Fensterverdachung und darüber befindliche Verkopplung kleiner Fenster

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Prachtvolle Portaleinfassung. Das Portal ist provisorisch gesichert, aber wir erkennen trotzdem die schönen Steinmetzarbeiten. Wir sehen auch das merkwürdige Geländer, das im Rahmen einer zukünftigen Restaurierung hoffentlich entfernt wird.

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Großes bleiverglastes Fenster über dem Portal

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Weiteres bleiverglastes Fenster der Westfassade in Nahaufnahme

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Konsolen und Säulen als Fenstereinfassung

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Fenster der Westfassade

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Aufwändig eingefasstes Mansardenfenster

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