Villa Schwarz

Anschrift: Greiz, Zeulenrodaer Straße 8
Baujahr: 1892
Bauherr: Familie Schwarz
Architekt: ungeklärt
jetzige Besitzverhältnisse: privat
Nutzung: bewohnt

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Samuel Schwarz, 1810-89, Nestor des Greizer Stammes der Familie Schwarz in Greiz, siedelte sich, aus Böhmen kommend, in Greiz an (www.geni.com). 1848 erhielt der jüdische Kaufmann die Konzession zum Wollhandel in Greiz (Strauß 2013). Im Jahre 1876 gründete Samuel Schwarz die Firma "Samuel Schwarz und Söhne, Weberei" in der Zeulenrodaer Straße 6-8. Er war einer der wenigen Greizer Fabrikanten jüdischer Herkunft.
In Greiz lebten überhaupt relativ wenig jüdische Mitbürger. So soll es im Jahre 1933 in Greiz 44 Juden gegeben haben (Flach 2012). Es gab deshalb im Ort keine eigenständige jüdische Gemeinde, keine Synagoge und keinen jüdischen Friedhof. Die Greizer Einwohner jüdischen Glaubens waren in die jüdische Gemeinde in Gera integriert (Alemannia Judaica, Gera 2003).
Samuel Schwarz und seine Frau Elisabeth, geb. Bloch (1818-88) hatten 8 Kinder, darunter die Söhne Detmar und Max, die der Senior als Teilhaber in seine Firma aufnahm (www.geni.de). Die Firma entwickelte sich erfolgreich, so dass die Familie 1892 die große Villa in der Zeulenrodaer Straße 8, gleich neben dem Firmengebäude, errichten konnte.
Nach der Machtübernahme des Nationalsozialismus im Deutschen Reich 1933 begann die Judenverfolgung auch in Greiz. Über das Schicksal der Familie Schwarz ist nur wenig bekannt. Unter den Personen, die in "www.alemannia-judaica.de" als während der Nazizeit ums Leben gekommen  genannt werden, ist kein Mitglied der Familie Schwarz erwähnt. Im Jahre 1937 lebte die Familie nicht mehr in ihrer Villa. (Adressbuch Greiz 1937) Für 1939 wird die Anzahl jüdischer Einwohner in Greiz mit 0 angegeben. (Rademacher 2006) Die Firma Samuel Schwarz und Söhne wurde 1939 enteignet und "arisiert", d.h. in die Hände deutschstämmiger Besitzer übergeben. So wurde Firma Schwarz in Firma Otto Ohlwein GmbH umgewandelt. (Wikipedia, Schneider) Ohlwein wurde nach 1945 wie alle Fabriken von der sowjetischen Militäradministration enteignet.

Stand man früher auf der Terrasse der Villa Jahn und sah ins Tal hinab Richtung Zeulenrodaer Straße, konnte man am gegenüberliegenden Hang, der zum Gommlaer Berg gehört, eine ebenfalls prächtige Gründerzeitvilla sehen, die Villa Schwarz.

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Leider besteht dieser Sichtkontakt nicht mehr, weil inzwischen teilweise große Bäume die Sicht versperren.

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Es wäre schön, wenn die Blickachsen wieder hergestellt würden. Dann könnte der Betrachter, der auf der Zeulenrodaer Straße steht, beide Gebäude in ihrer Schönheit genießen.
Die Villa Schwarz ist etwas bescheidener geschmückt, als die Villa Jahn. Trotzdem sind großartige Fassadenelemente zu sehen.
Wir sehen einen schönen Giebel und einen stattlichen Erker.

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An der rechten Flanke ist eine Loggia zu erkennen.

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Der Natursteinsockel unterstreicht die Wirkung des Gebäudes.

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Der Erker wird von kraftvollen Konsolen getragen.

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Wir sehen kunstgeschmiedete Gitter an den Kellerfenstern.
Die rechte Seitenfront des Gebäudes wird geprägt vom Portal mit Freitreppe, der zweizügigen Loggia links, der turmartigen Bekrönung der linken Ecke sowie einen kleinen Giebel.

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Das Gebäude wurde sorgfältig restauriert und ist bewohnt.

Quellen:

Adressbuch Greiz 1937
FLACH, Hartmut: Vortrag über jüdische Schicksale in Greiz. OTZ 12.3.2012
SCHNEIDER, Volkmar: Übersicht über die VEB Greika. Greiz 2013
STRAUß, Gerhard: Zeittafel zur Greizer Textilgeschichte. www.muverein-Greiz.de
WIKIPEDIA: Stichwort Greika
www.alemannia-judaica.de, Stichwort Gera
www.geni.com, Suchbegriffe Samuel Schwarz und Greiz
Verwaltungsgeschichte Greiz, M. Rademacher 2006

Stand Dezember 2013
 

 
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