Ehemalige Kinderkrippe

Anschrift: Greiz, Marienstraße 10
Bauherr: Stiftung von Frau Lina Arnold, Witwe des Greizer Fabrikanten Ernst Arnold (Quelle: Schneider 2010)   
Lina Arnold (1849-1928) war darüber hinaus gemeinsam mit ihrem Ehemann Ernst Arnold an folgenden Stiftungen beteiligt: Ernst und Lina Arnold-Stift, Leonhardstraße 58, Knabenhort, Neuer Weg 5, Kinderheim "Walter Riedel" Goethestraße 17, heute Einrichtung der AWO (Arbeiterwohlfahrt), gegründet 1898 als Ernst und Lina Arnold-Kinderheim. Lina Arnold betreute das Heim bis zu ihrem Tod im Jahr 1928. (Quelle Zaumsegel 2010)
Lina Arnold lebte mit ihrem Ehemann Ernst Arnold, der Mitinhaber der Firma Friedrich Arnold, Weberei, Plauensche Straße 2a, war, in der Villa Ernst Arnold, Plauensche Straße 2a. Das Grab der Eheleute Lina und Ernst Arnold befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Arnold-Stiftes, jetzt Anna-Seghers-Heim (www.greiz-gruenderzeit.de).
Baujahr: 1910
Architekt: Max Mayer, Plauen. Zur Person und Tätigkeit des Architekten Max Mayer siehe Marienschule.
Bauausführung: W. Jesumann, Greiz (Quelle: Schneider 2010)
Jetzige Eigentumsverhältnisse:
Nutzung: Tagesstätte für chronisch psychisch Kranke, Psychosoziales Zentrum Greiz, Bestandteil der Greizer Senioren- und Pflegeheim gGmbh

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Unser Startbild zeigt eine sehr vielgestaltig ausgeführte Fassade. Fast jedes Fenster ist anders geformt. Allein dies belebt den Anblick. Der Sockel ist mit bossiertem Naturstein verkleidet. Der übrige Baukörper ist verputzt. Das große Treppenhausfenster hat in einem Erker Platz gefunden. Links wendet sich ein hoher Zwerchgiebel der Straße zu.
Dachregion und Obergeschoss

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Zwerchgiebel und Treppenhauserker

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Großes Treppenhausfenster mit Glasmalerei, originale Halterung für den Blumenkasten

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Erkerfuß, darunter Glasmalereien

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Verkoppelte Fenster, darüber Festons

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Festons, darüber Hauptgesims

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Festons in Nahaufnahme. Festons wurden im Reformstil, im Gegensatz zum Gründerzeithistorismus relativ wenig verwendet. Wenn sie aber zum Einsatz kamen, waren sie auch vom Reformstil geprägt. Der Gründerzeithistorismus besitzt auch hier keinen Einfluss mehr. Der Unterschied zum Historismus besteht vor allem darin, dass die floralen Elemente im Reformstil vereinfacht und stilisiert dargestellt werden. Die Festons auf Gründerzeitgebäuden sind zumeist naturalistisch, differenziert und feingliedrig.

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Zum Vergleich ein Gründerzeitfeston. Es befindet sich auf der Villa Gustav Wagner, Rosa-Luxemburg-Straße 29.

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Rundbogenfenster und Sockel

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Rundbogenfenster mit originaler Blumenkastenhalterung

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Kleine Fenster im Gebäudesockel, darüber Blumenkasten

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Fenster mit Glasmalereien

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Figur eines spielenden kleinen Kindes über der Haustür als Zeichen der Zweckbestimmung des Gebäudes

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Tafel mit Kind in näherer Ansicht

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Kopf des Kindes

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Auf einer historischen Abbildung aus dem Jahr 1910 sehen wir den Gebäudekomplex der Marienschule und rechts im Bild die Kinderkrippe Lina Arnold. Die Baulichkeiten scheinen zusammenzugehören, denn sie wurden vom gleichen Architekten, Max Mayer, Plauen, entworfen. Erfreulicherweise ist das reizvolle Gebäudeensemble als frühes Beispiel des Reformstils in wesentlichen Teilen noch gut erhalten. Leider wurde die in Bildmitte ins Auge springende Terrasse überbaut.

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Foto: Sammlung Schneider, Greiz 2010

Bildausschnitt mit dem Gebäude der Lina Arnoldschen Kinderkrippe

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Foto: Sammlung Schneider, Greiz 2010

Quellen:
SCHNEIDER, Volkmar: Der historische Greizer Postkartenkalender 2010, Blatt für März
RUDOLF, Gottfried: www.greiz-gruenderzeit.de, Stichwörter Marienschule, Arnoldstift
ZAUMSEGEL, Holger: Verlassen, aber nicht allein. OTZ, Greiz, 25.12.2010, Greiz OTZ.de
Stand April 2013

 
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