Haus Paul Picht

Anschrift: Königs Wusterhausen, Bahnhofstraße 6           
Bauherr: Paul Picht, 1853-1908, Fleischermeister
Baujahr: 1892 (Entwurf),1905 Fertiggestellt (KUGEL)       
Architekt: ungeklärt
jetzige Nutzung: Leerstand

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Unser Startbild zeigt die zum Garten weisende Westfassade des Gebäudes. Wir sehen u.a. die Eingangsloggia, die ursprünglich einen Söller trug, und darüber den Turmschaft, dessen Haube zu DDR-Zeiten entfernt wurde. Links am fensterlosen Fassadenteil des Obergeschosses sehen wir den leeren Platz für eine Tafel. Die Tafel selbst wurde entfernt.
Die Westfassade in ihrem jetzigen Zustand vermittelt trotz der genannten Beeinträchtigungen einen Eindruck davon, dass Haus Picht ein großartiges Gründerzeitgebäude war.
Historische Aufnahme der Bahnhofstraße mit Blick nach Osten. Rechts Haus Paul Picht mit gepflegtem Vorgarten, der zur Verschönerung der Straße beitrug. Wir sehen, dass der Turm des Pichtschen Hauses eine spitze Haube trägt. Man sieht auch, dass die oben erwähnte Tafel die Fassade des Obergeschosses zierte. Allerdings ist nicht zu erkennen, wie die Tafel gestaltet war. Der Straßenfassade vorgelagert ist eine Veranda zu sehen. Sie trägt einen Söller. Beide wurden zu DDR-Zeiten entfernt.

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Bild: Historische Postkarte 1918, Sammlung KUGEL

Historische Postkarte, Bahnhofstraße mit Blick in Richtung Westen, links mit Turm Haus Picht, Bahnhofstraße 6. Picht war auch Eigentümer des sich in Richtung Westen anschließenden Grundstücks Bahnhofstraße 5. In Haus Bahnhofstraße 4, das auf unserem Bild gut zu erkennen ist und zur Straße vorspringt, betrieb Picht seine Fleischerei. (KUGEL) Paul Picht prägte somit ein größeres Areal an der Königs Wusterhausener Bahnhofstraße.

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Bild: Historische Postkarte, Sammlung KUGEL

Haus Bahnhofstraße 4, ehemalige Fleischerei Picht, Foto 2008

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Königs Wusterhausen, Innenstadt 2, Haus Bahnhofstraße 4
Historische Postkarte, Nahtstelle des östlichen und westlichen Teils der Bahnhofstraße, vorn links Bahnhofstraße 8, rechts mit spitzer Turmhaube Haus Paul Picht, Bahnhofstraße 6. Wir sehen historisch ein beeindruckendes städtebauliches Ensemble, das leider so unversehrt, wie abgebildet, nicht mehr erhalten ist. Immerhin, die Gebäude Bahnhofstraße 6 und 8 stehen noch.

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Bild: Historische Postkarte, Sammlung RUDOLF

Bauzeichnung Haus Paul Picht, 1892. Das Gebäude ist im Wesentlichen so gebaut worden, wie es die Zeichnung zeigt. Die Zeichnung bildet die Fassade zur Bahnhofstraße ab. Die Fassade hat sechs Fensterzüge und einen zweizügigen Zentralrisaliten. Die Fassade ist untergliedert in Kellergeschoss, Hochparterre, Obergeschoss und Mansarddach. Dem Mittelrisalit vorgelagert ist eine Veranda, die im Obergeschoss einen Söller mit Balustrade trägt. Das Portal ist rechts über eine Freitreppe und eine Eingangsloggia zu erreichen. Die Loggia trägt ebenfalls im Obergeschoss einen Söller. Über dem Portal erhebt sich der Turm mit spitzer Haube.
Alle Fenster sind aufwändig eingefasst. Der Zentralrisalit ist mit einem Ziergiebel bekrönt. Der Giebel trägt das dekorative Motiv der Jakobsmuschel als Symbol der Gastfreundschaft.
Die Bauzeichnung zeigt anschaulich, wie schön und harmonisch sich das im Stil des Gründerzeithistorismus errichtete Gebäude darstellte.

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Bild: Historische Bauzeichnung von Haus Paul Picht, 1892, Sammlung KUGEL

Porträt Paul Picht, 1853-1908, Fleischermeister in Königs Wusterhausen, Bauherr des Hauses Bahnhofstraße 6

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Bild: Paul Picht, Sammlung Kugel

Porträt Marie Picht, Ehefrau des Fleischermeisters Paul Picht

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Bild: Marie Picht, Sammlung KUGEL

Nach dem frühen Tod von Paul Picht, er starb im Jahre 1908 im Alter von 55 Jahren, hatte Haus Bahnhofstraße 6 eine wechselvolle Geschichte.

Zunächst vermietete seine Witwe Marie Picht Räumlichkeiten des Hauses. Im Jahre 1930 erwarb der Königs Wusterhausener Kaufmann Max Jacobsohn (*1879) das Haus und wohnte hier mit seiner Frau Paula, (*1882), einer Zahnärztin. (CARL,KUGEL) Max Jacobsohn wurde 1938 verhaftet, in das KZ Sachsenhausen verbracht und aus dem Handelsregister gestrichen. Im Jahre 1942 wurde das Ehepaar Jacobsohn, das jüdischer Herkunft war, nach Osten deportiert. Über das weitere Schicksal der Jacobsohns ist nichts Genaues bekannt. Zurückgekehrt sind die Eheleute nach dem Krieg nicht. (KUGEL)
Gedenksteine vor dem Haus Bahnhofstraße 6

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Während der DDR-Zeit wurde das Gebäude langjährig von der NVA (damalige Nationale Volksarmee) als Sitz des Wehrkreiskommandos genutzt. Seinerzeit erfolgten auch massive Eingriffe in die Bausubstanz, namentlich Entfernung der Turmhaube, Fassadenglättung, Entfernung der Veranda mit Söller vor dem Mittelrisaliten der Straßenfassade, Fenstervergitterung, Umbauten im Inneren und hofseitige Aufstockung. Dadurch wurde dem Gebäude schwerer Schaden zugefügt. Seit etwa dem Jahre 2000 steht das Gebäude leer. (KUGEL)
Im Jahre 2006 beschädigte ein Dachstuhlbrand das Haus. Das Dach wurde damals notdürftig abgedichtet.
Wir betrachten nunmehr anhand aktueller Fotos den jetzigen Zustand des Gebäudes:
Straßenfassade frontal. An den glatten hellen Flächen wurde Dekor entfernt. Am Mittelrisalit fehlt die Veranda mit Söller.

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Straßenfront nordwestlich 1, rechts Freitreppe mit Eingangsloggia. Der Söller über der Loggia fehlt. Über der Loggia der Turmschaft ohne Haube.

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Straßenfassade nordwestlich 2, rechts am Turmschaft ist die eingelassene Fläche zu sehen, die ursprünglich eine Ziertafel trug.

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Straßenfassade nordwestlich 3

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Straßenfassade nordwestlich 4

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Straßenfassade nordwestlich 5

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Straßenfassade nordwestlich 6

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Straßenfassade nordwestlich 7

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Risalit der Straßenfassade mit Zwerchgiebel, rechts oben das Mansardenfenster fehlt

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Zwerchgiebel frontal

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Fenster des Zwerchgiebels

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Bekrönung des Giebels mit Muscheldekor

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Zwerchgiebel nordwestlich

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Fenstergruppe des Obergeschosses der Straßenfront

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Fensterverdachung mit Schlussstein

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Hauptgesims der Straßenfassade, volutenförmiges Scheingebälk mit Akanthusblatt

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Scheingebälk in näherer Ansicht

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Straßenfassade aus nordöstlicher Richtung

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Straßenfassade aus nordöstlicher Richtung näher

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Hofseite mit Seitenflügel. Wir sehen die zu DDR-Zeiten vorgenommene Aufstockung.

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Hofseite in näherer Ansicht

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Zum Garten gewandte Westfassade mit Eingangsloggia

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Dach der Eingangsloggia

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Eingangsloggia von unten

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Eingangsloggia aus südlicher Richtung

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Kunstgeschmiedetes Geländer an der Eingangsloggia frontal

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Geländer schräg

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Eingangsloggia aus nördlicher Sicht

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Fliesen der Eingangsloggia 1

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Fliesen der Eingangsloggia 2

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Fliesen der Eingangsloggia 3

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Obergeschoss der Westfassade mit Turmschaft

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Turmschaft aus nordwestlicher Richtung

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Hauptgesims des Turmes 1

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Hauptgesims des Turmes 2

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Hauptgesims des Turmes aus südwestlicher Richtung

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Westfassade vom Garten aus gesehen

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Haus Paul Picht befindet sich baulich nicht in bestem Zustand. Jahrelanger Leerstand hat ein Übriges getan. Wir hoffen aber gezeigt zu haben, dass das Gebäude auch heute noch über eine Bausubstanz verfügt, die eine Restaurierung rechtfertigt. Haus Picht könnte wieder ein Glanzpunkt der Bahnhofstraße und der ganzen Stadt Königs Wusterhausen werden. Wir hoffen, dass das bald geschieht.

Quellen:

CARL, Irmtraud (Hrsg.): Das haben wir alles nicht gewußt. Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung der Region Dahme-Spreewald, Zeuthen 2008
KUGEL, Rainer: Dokumentation zur Geschichte des Hauses Bahnhofstraße 6, Stand April 2014, unveröffentl.
KUGEL, Rainer: Persönliche Mitteilungen 2014
Rudolf, Gottfried: Gründerzeithistorismus im Dahmeland - Haus Paul Picht, Königs Wusterhausen, Bahnhofstr.6, Heimatkalender 2015, Königs Wusterhausen und Dahmeland
RUDOLF, Gottfried: www.greiz-gruenderzeit.de, Stand April 2014
STOLPERSTEINE Jacobsohn, Königs Wusterhausen, vor dem Grundstück Bahnhofstraße 6

Wir danken Herrn Rainer Kugel, Königs Wusterhausen und Frau Margitta Berger für ihre freundliche Unterstützung.

Stand April 2014

 
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