(2.1.35) Villa Karl Heinrich Schilbach
Anschrift: Greiz, Carolinenstraße 54
Bauherr: Karl Heinrich Schilbach
Baujahr: 1874 (BLASE)
Nutzung: Wohnung

Karl Heinrich Schilbach, auch Heinrich Schilbach jun. genannt, *1863,†1914,
zweitältester Sohn des Heinrich Schilbach sen., *1828,†1905.
Karl Heinrich Schilbach war Kommerzienrat, Wollwarenfabrikant, Mitinhaber der
von seinem Vater gegründeten Firma Schilbach & Co., Wollwarenfabrikation, Greiz (WEICHBRODT, SCHILBACH)

Wir sehen ein stattliches, zweigeschossiges Gebäude mit fünf Fensterachsen. Der Mittelrisalit ist durch Balkone ausgezeichnet. Er ist durch eine zusätzliche Etage erhöht. Die Fassade ist verputzt. Das Dekor besteht zum größten Teil aus Stuck. Fassaden aus diesem Material sind oft nicht sehr gut erhalten. So auch hier. Aber man erkennt noch den großartigen Entwurf, zumal schwerwiegende, entstellende Eingriffe bisher erfreulicherweise unterblieben sind.
Hier einige Details:
Fenster im Erdgeschoss. Man beachte neben dem Fassadenschmuck die oben abgerundeten Ecken des Fensterrahmens sowie das speziell geschmückte Fensterkreuz.

Fenster im Obergeschoss. Aufwändige Verdachung, die auf Säulen ruht

Verdachung des Fensters. Die Verdachung trägt ein schönes Wasserwogenband.

Fensteranlage des Mittelrisalits mit Verdachung.

Verdachung der Fensteranlage.

Wir sehen zwei Atlanten als herkulische Träger, die neben den seitlichen Säulen die Verdachung stützen. Die Verdachung selbst ist mit einem prächtigen Blumen- und Rankenband geschmückt.

In der Mitte des Ornamentsbands thront die Figur eines Engels, der eine Früchteschale trägt.

Ornamenttafel, stark beschädigt, dicke Farbschichten entstellen den Originalzustand.

Drache als Konsole

Pilasterkapitell

Fenstereinfassung

Fensterpartie der Seitenfront. Man beachte auch die Fenstergitter.

Detail des Balkons
Das Gebäude hat mit seinem reichen und differenzierten Fassadenschmuck sicherlich einmal einen grandiosen Eindruck gemacht. Es bedarf einer sensiblen Restaurierung. Sie wird angesichts der Putz- und Stuckschäden nicht einfach sein. Bei der Farbauswahl sollte sehr dezent vorgegangen werden, damit der Eindruck der Überladenheit vermieden wird.Auch im heutigen Zustand ist das großartige Haus sehenswert.
Wir sind in der Lage, ein historisches Foto der Villa aus dem Jahr 1912 zu zeigen. Unschwer sind beim Vergleich mit den aktuellen Bildern gravierende Veränderungen an der Fassade zu erkennen:

Foto: Historische Aufnahme 1912, Sammlung Sven KLEIN
– im Gegensatz zum ursprünglichen glatten Putz wurde ein Rauputz aufgetragen
– von den Giebeln wurde Dekor entfernt
– die Pilaster wurden des Dekors entkleidet und überputzt
– die Hauptgesimse wurden geglättet.
Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass bei früheren Renovierungen Veränderungen vorgenommen wurden, die das Erscheinungsbild beeinträchtigen. Es wäre schön, wenn man das wertvolle Gebäude im Zuge einer Restaurierung seinem ursprünglichen Zustand wieder annähern könnte.
Im Jahre 2011 konnten erste Ergebnisse der Restaurierung bewundert werden:

Partie der südlichen Seitenfront

Einzelfenster mit Einfassung

Fensterbrüstung

Partie der Seitenfront schräg

Dekordetails

Teil der Haustür mit vier Füllungsfenstern
Im September 2014 nutzten wir die Gelegenheit, den weiteren Fortschritt der Restaurierung
zu dokumentieren:

Gesamtansicht aus südwestlicher Richtung. Die Restaurierung der Fassade scheint abgeschlossen.

Das Gebäude aus gleicher Richtung etwas näher

Fassade in näherer Ansicht

Bekrönung des Mittelrisaliten

Hermeskopf an der Bekrönung des Mittelrisaliten. Es handelt sich
wohl um eine Stuckskulptur, die einen bronzenen Helm trägt.

Hermeskopf aus anderer Sicht

Symbolfigur der Fruchtbarkeit mit Gebinden aus Früchten am Obergeschoss des Mittelrisaliten

Symbolfigur aus anderer Sicht

Brustbild der Symbolfigur mit dem Gebinde aus Früchten

Gesicht der Symbolfigur

Mittelrisalit. Über den Fenstern der ersten Etage die Symbolfigur,
darunter zwei Atlanten, die die Verdachung der Fenster tragen

Atlant als Träger der Verdachung

Gesicht des Atlanten mit Zipfelmütze

Obergeschoss des rechten Seitenflügels mit Fenster und Hauptgesims. Man sieht hier sehr gut die geschmackvolle farbliche Gestaltung der Restaurierung, die die Dekorteile von den glatten Flächen etwas dunkler abgesetzt. Der glatte Grundputz der Fassade wurde wiederhergestellt.
Die Dekorteile wurden sorgsam gepflegt.

Weinlaubdekor auf der Konsole des Atlanten

Floraler Relieffries auf der Verdachung der Obergeschossfenster des Risalits

Fensterpartie im erhöhten Teil des Risalits

Links Atlant mit Weinlaubkonsole, rechts Säule mit Kapitell, darüber Verdachung mit Relieffries

Oberer Teil eines Fensters im Parterre des Risaliten, flankiert von Säulen.
Darüber auf dem Architrav das Relief eines floralen Mäanderfrieses.

Parterrefenster des linken Seitenflügels. Man beachte über dem Oberlicht die Abrundung der Fenstereinfassung. Diese elegante Form der Fenstereinfassung wird selten gewählt, schön dass sie liebevoll erhalten wurde. Man beachte auch die Ziertafel mit Relief auf der Fensterbrüstung.

Einzelfenster des Obergeschosses, prachtvolle Einfassung
mit Brüstung, Halbsäulen und Verdachung

Oberer Teil des Fensters, darüber Hauptgesims und Scheingebälk, rechts der Pilaster, der den Risaliten gegen den Seitenflügel abgrenzt, hat seine elegante Verzierung zurückerhalten.

Straßenfassade frontal gesehen. Man beachte den prachtvollen, um
eine Etage erhöhten dreizügigen Mittelrisaliten und die beiden einzügigen Seitenflügel.

Parterre des Risaliten

Straßenfassade und nördliche Seitenfront

Nördliche Seitenfront. Einfahrt und Briefkastenanlage harren noch der Neugestaltung.

Nördliche Seitenfront ohne Sockel

Ziertafel einer Fensterbrüstung

Parterrefenster

Obergeschoss des linken Seitenflügels

Obergeschoss des linken Seitenflügels mit verändertem Blickwinkel

Parterre des Risaliten näher gesehen

Detail der Fensterverdachung am Obergeschoss des Risalits

Nordwestliche Kante des Hauptgesimses am Mittelrisalit

Kapitell eines Pilasters am Mittelrisalit
Die Restaurierung hat ein hervorragendes Ergebnis erbracht. Hervorzuheben sind die Wiederherstellung der glatten Putzflächen, die Pflege des angegriffenen Dekors und die geschmackvolle Farbgestaltung. Die Fenster wurden zwar erneuert, so dass die originalen Rahmen nicht mehr vorhanden sind, die neuen Fenster wurden aber stilistisch angeglichen.
Dem neuen Besitzer und den von ihm herangezogenen Handwerkern sind Dank und Anerkennung auszusprechen. Eine gelungene, mit viel Liebe zum Detail vollzogene Restaurierung.
Wir danken sehr herzlich Herrn Sven Klein für die Erlaubnis, das historische Foto verwenden
zu dürfen.
Quellen:
* Klein, Sven: Greiz einst und heute. In: Der Heimatbote, Greiz 2010, Heft 11
* Schilbach, Margarete: Das vogtländische Geschlecht Schilbach, Görlitz 1929
* Weichbrodt, Helga (geb. Schilbach), Aachen, persönliche Mitteilungen an den Autor 2012
Stand 2014