(3.2.) Feierabendhaus für Blinde
Königs Wusterhausen
Anschrift: Königs Wusterhausen, Luckenwalder Straße 64
Baujahr: 1910/11
Bauherr: Ferdinand-Warburg-Stiftung
Jetzige Nutzung: SFZ Förderzentrum gGmbH, Internat für Sehgeschädigte
Östlich des Gebäudekomplexes des Blindenheimes steht auf dem gleichen weiträumigen Grundstück ein größeres Gründerzeitgebäude unabhängig vom ehemaligen Blindenheim.
Es ist das Feierabendhaus für Blinde.
Das Haus wurde von einer Stiftung erbaut und betrieben, die von dem Berliner Firmenbesitzer und Bankier Ferdinand S. Warburg, *1844 †1924, errichtet worden war.
Das Erbbegräbnis der Familie Ferdinand Warburg befindet sich auf dem Friedhof der
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisgemeinde Berlin-Westend.

Erbbegräbnis der Familie Ferdinand Warburg

Inschrift im Giebel des Grabmals

Trauernde mit Lyra vom Erbbegräbnis Warburg, geschaffen von Hans Dammann, *1857 †1942

Inschrift für Ferdinand S. Warburg
Auch für das Feierabendhaus für Blinde gilt, dass das Kaiserpaar Wilhelm II. und
Auguste Victoria als Förderer fungierten, indem sie den Baugrund aus den Ländereien
des kaiserlichen Hofkammergutes Königs Wusterhausen zur Verfügung stellten.

Großes Tor zum Gelände des Feierabendhauses

Mosaiktafel mit der Bezeichnung der Einrichtung über dem Tor
Die Gestaltung der Mosaikinschrift ist bereits vom Jugendstil geprägt.

Südliche Fassade zur Straße hin

Feierabendhaus mit der Einfriedung zur Luckenwalder Straße

Mittelrisalit mit Terrasse im Obergeschoss

Schornstein westlich des Mittelrisalits

Schornstein in näherer Aufnahme

Östlicher Seitenflügel mit Veranda im Parterre

Mittelrisalit und östlicher Seitenflügel

Ostfassade

Westfassade

Erker an der Westfassade

Verkoppelte Fenster unter dem Erker

Fachwerkgiebel der Westfassade

Detail des Fachwerks

Veranda an der Südwestkante des Gebäudes

Terrasse des Mittelrisalits, darunter Portal mit Freitreppe

Giebel über der Terrasse aus südwestlicher Richtung gesehen

Ostflügel und Verbindungstrakt

Schornstein des östlichen Verbindungstraktes

Hauptportal aus Südwest

Hauptportal frontal
Obwohl das Feierabendheim für Blinde zu einem Zeitpunkt errichtet wurde, als der Einfluss des Gründerzeitstils seinem Ende zuging (1910/11), als andere neue Stile, namentlich Jugendstil und Werkbundstil bereits Einzug gehalten hatten, ist dieses prachtvolle Gebäude noch ganz von der Gründerzeit geprägt. Der Übergang zu neuen Formen ist am ehesten darin zu sehen, dass die Fassaden zurückhaltend dekoriert sind, gerade Linien dominieren und der Eindruck einer schlichten Eleganz entsteht. An wenigen Stellen ist aber doch schon das Anklingen des Jugendstils zu erkennen. Wir haben schon auf das Mosaik über dem Eingangstor hingewiesen. Ein zweites Beispiel ist die Wölbung über dem Hauptportal, die eine neuartige, in die Zukunft weisende Formgebung aufweist.

Portal in Nahaufnahme

Wölbung über dem Portal

Detail des geschweiften Bogens

Giebel des Mittelrisalits

Fensteranlage des Giebels

Die Anordnung der runden Blendfenster zitiert die Gestaltung der Fensteranlage
der Aula im nördlichen Hauptgiebel des ehemaligen Blindenheimes.

Verkoppelte Fenster links neben dem Hauptportal des Feierabendhauses

Oberlichter der verkoppelten Fenster mit gemeinsamem Entlastungsbogen
Das Gebäude des Feierabendheimes für Blinde steht zwar etwas im Schatten des Hauptgebäudes des Blindenheimes, das mit seiner Prachtentfaltung eindeutig im Gebäudeensemble dominiert, aber auch das Feierabendhaus ist ein bemerkenswertes Gründerzeitgebäude, geprägt durch eine eigenständige baukünstlerische Handschrift.
Quellen:
* Barth, Karl-Heinz: Gotthold Ludwig Möckel, Parthas Verlag, Berlin 2001
* Meixner, Cathrin (Hrsg.): Frauen in Königs Wusterhausen, Königs Wusterhausen 2014
* Rudolf, Gottfried: Sammlung hist. Abbildungen
* Webseite Brandenburgische Schule für Blinde und Sehbehinderte Königs Wusterhausen 2011- Stichwort Schule Chronik
* Wikipedia – Stichwort Brandenburgische Schule für Blinde, 2011
* Wikipedia – Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof, Grab Warburg, 2011
* Wikipedia – Graves, Ferdinand Warburg, 2011
* Wikipedia, Auguste Viktoria, 2011