Evangelische Kirche Eichwalde

Die Evangelische Kirchengemeinde von Eichwalde besitzt ein großes, prachtvolles Kirchengebäude am Händelplatz. 


Es ist ein Gründerzeitbauwerk, das im Jahre 1908 eingeweiht wurde. 


Der Entwurf stammte vom Berliner Architekten Prof. Carl Zaar (1849-1924).
 Als Baumeister fungierte Rudolf Vahl.
Zaar war am Ende des 19. Jahrhunderts ein namhafter Architekt in Berlin,
der sich vielseitig betätigte.

Ehemaliges Grandhotel am Alexanderplatz

Er errichtete u.a. das im Krieg zerstörte „Grand Hotel am Alexanderplatz“.  Von ihm stammen auch mehrere Bauten im Zoologischen Garten von Berlin, u.a. das bekannte Elefantentor. (Wikipedia)


Als Schirmherrin für den Bau des Gotteshauses konnte Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921), Gemahlin Kaiser Wilhelm II., gewonnen werden. 
Sie stiftete u.a. das Christusfenster, trotz Kriegseinwirkung erhalten gebliebenes zentrales Fenster des Chorraumes. (Wikipedia)
Kaiserin Auguste Victoria engagierte sich intensiv bei der Förderung kirchlicher und sozialer Bauten. So war sie als Stifterin am Bau des ehemaligen Landesblindenheimes in Königs Wusterhausen beteiligt. Noch heute tragen soziale Einrichtungen ihren Namen, u.a. das Auguste-Victoria-Krankenhaus in Berlin-Schöneberg.


Den 2. Weltkrieg überstand das Gotteshaus bis auf den Verlust wertvoller bleiverglaster Fenster weitgehend unbeschadet. Die prachtvolle gründerzeitliche Innenausmalung ging jedoch verloren, als in den 50er Jahren im Kirchenraum ein weißer Anstrich angebracht wurde. Damals galten die künstlerischen Hinterlassenschaften des Gründerzeitstils nicht unbedingt als erhaltenswert. 


Das Gebäude ist eine dreischiffige Hallenkirche.
Der Turm in der Mitte der Westfassade ist 46 Meter hoch. 


Das Bekrönungskreuz wird gelegentlich als Rastplatz genutzt. 


Wie in der Gründerzeit üblich, ließ sich Architekt Zaar von verschiedenen
historischen Stilen anregen. So verwendete er für die Fenster gotische
Spitzbögen und wandelte die Fenstereinfassungen ab, indem er abgerundete
Formsteine benutzte.


Andererseits ließ er sich vom damals hochmodernen Jugendstil inspirieren,
indem er die Fassade mit elegant geschwungenen Endlosschleifen schmückte. 

Über dem Hauptportal brachte der Architekt ein Christusbild an. 


An diesem Platz sieht man heute nur eine weiß gestrichene Fläche. 


Das zweiflügelige Hauptportal trägt Schnitzarbeiten und kunstvoll geschmiedete Türbeschläge. 


Die Seitenflügel der Westfassade sind mit gemauertem Dekor geschmückt. 


Formsteine fügen sich zu einer spiralförmigen Ziersäule. 


Die hohen Mauern des Mittelschiffs werden durch imposante Stützpfeiler gesichert.


Ein Seiteneingang wurde mit einem kunstgeschmiedeten Geländer versehen.
Ein zierlich gearbeiteter Fußabtreter ist auch vorhanden.


Formsteine in der Form eines Kleeblattes wurden zur Gestaltung
von Fassadendekors verwendet. 


Heute wird das Innere des Kirchenraumes vom schlichten Weiß
des Anstrichs der 1950er Jahre bestimmt.


Nur am Altarbogen wurde eine Partie
der alten Ausmalung wieder freigelegt. 


Das zentrale bleiverglaste Fenster des Chores ist noch erhalten.
Es stellt die Abendmahlsszene dar. Die Darstellung ist aber nicht vollständig,
zwei weitere Fenster, die die Szene ergänzten, sind leider nicht mehr vorhanden.


Altar und Kanzel stammen aus der Berliner Jerusalemkirche, …


die heute nicht mehr existiert. 


Einige Fenster sind mit Architekturmalereien geschmückt. 


Den Innenraum zieren zahlreiche Dekors aus rotem Backstein.
Dabei kamen auch verschieden Formsteine zum Einsatz. 


Ein Blick zur Orgelempore zeigt, dass sie ebenfalls mit Backsteindekor verziert ist. 


Aus Formsteinen wurden reizvolle Ornamente gebildet. 

Das Eichwalder Gotteshaus entstand in einer Zeit des Stilwandels.
Der dominierende Gründerzeitstil war im Begriff, Einfluss einzubüßen.
Neue Formensprachen drängten nach Beachtung.


So verwundert es nicht, dass man in der Eichwalder Kirche
erste Botschaften des Jugendstils empfängt, z.B. in Form eins Säulenkapitells. 

Architekt Zaar schuf in Eichwalde eine bemerkenswerte, bedeutende Gründerzeitkirche. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des architektonischen Gründerzeiterbes im Dahmeland.

 

Quellen:
* akg.image – Foto Zaar
* Eichkater.de – Foto Ausmalung vor 1950
* Wikipedia – Porträt Kaiserin Auguste Victoria von Heinrich von Angeli, 1880
* Wikipedia.de – Stichwort: Kaiserin Auguste Victoria; Stichwort: Zaar

Stand August 2020