(2.10.9)  Fabrikationsgebäude MCM Klosterfrau

Anschrift: Greiz, Marienstraße 6
Baujahr: 1894
Bauherr: 
Architekt: 
Letzter Besitzer: Stadt Greiz
Nutzung: Abriss im Februar 2011


Auf dem Hof hinter der Straßenfront Marienstraße 6, wo das
Firmenzeichen mit den drei Klosterfrauen zu sehen war, …


erhob sich ein großes gründerzeitliches Backsteingebäude, ehemals
ein Fabrikationsgebäude der Firma Klosterfrau.


Es handelte sich um ein rotes Backsteingebäude mit gelbem Fassadendekor. Das Gebäude stand leer und wurde allmählich zur Ruine. Man konnte aber noch die stattlichen Dimensionen und die Fassadengestaltung erkennen.
Selbst die freistehende Brandmauer war mit Blendfenstern und gelben Dekorsteinen geschmückt.


Die Fassade war mit Pilastern aufgelockert. Die Fensteröffnungen
waren durchweg mit gelben Backsteinbögen überbrückt.


Fensteranlage im Mezzaninbereich


Eckpilaster und Fenster


Detail der Brandmauer mit Eckpilaster und rundem Blendfenster.
Dieser Gebäudeteil wirkte nahezu unversehrt.


Ostfassade von der Siebenhitze aus gesehen. Im Hintergrund sah man das Obere Schloss.
Man sah an der Fassade einige Bausünden: völlig unpassende, modernisierte Fenster, vermauerte Fensteröffnungen, Beschädigungen des Mauerwerks, stilloser Anbau.


Man konnte das Gebäude auch gut vom Schlossberg aus sehen. Schaute man
vom östlichen Schlossberg in Richtung Marienstraße, fiel ein großes, rotes
Backsteingebäude auf, das angesichts seiner Größe Stadtbild prägende Wirkung hatte.


Das Gebäude zeigte seine imponierende Fassade: beidseitig ein zweifenstriger Seitenrisalit, dazwischen ein fünfzügiger Mitteltrakt. Über den Etagen mit den großen Fensteröffnungen befand sich noch eine Mezzaninetage mit verkoppelten kleinen Fenstern.
Vor dem roten Backsteingebäude sahen wir ein lang gestrecktes Schieferdach und einem hellen Giebel. Das ist das ältere, nicht gründerzeitlich Stammgebäude von Klosterfrau, das unmittelbar an der Marienstraße stand, und, wenn man sich dort befand, das gründerzeitliche Fabrikationsgebäude verdeckte.
Wollte man sich dem Gebäude nähern, tat man es am besten vom Westernhagenplatz aus.


Das stattliche gründerzeitliche Fabrikationsgebäude von Klosterfrau Greiz, das während der DDR-Zeit von der volkseigenen Likörfabrik genutzt und umgebaut wurde, war durchaus sehens- und erhaltenswert. Vielleicht hätte man die heute noch in Köln bestehende Firma Klosterfrau für die baulich wertvolle Hinterlassenschaft des Greizer Ablegers interessieren können. Der Erbauer und erste Nutzer des Fabrikationsgebäudes ist uns nicht bekannt. Unser Industriebau sowie die auf dem Gelände befindlichen älteren Baulichkeiten an der Marienstraße wechselten wiederholt Besitzer und Nutzung.

Ende der 1930er Jahre erwarb die Firma MCM Klosterfrau aus Köln das Gebäudeareal und errichtete in Greiz einen Zweigbetrieb. Es wurden der berühmte Klosterfrau Melissengeist aber auch andere Spirituosen produziert. (KLEIN)
Aktuelle Bezeichnung der Arzneimittelfirma: Klosterfrau Healthcare Group Köln.
Arzneimittel-Produktentwicklung, Produktion, Vertrieb, Vertrieb von Fremdmarken.
Bekanntestes Erzeugnis nach wie vor: Klosterfrau Melissengeist.
Die Gründung des Unternehmens 1826  durch die Klosterfrau
                                                                                      Maria Clementine Martin -> MCM in Köln.


Weltbekanntes Emblem: Drei Nonnen im gotischen Spitzbogen.

Nach 1945 wurde der Greizer Ableger der Firma nicht enteignet. Er produzierte als Likörfabrik weiter und behielt formal eine Bindung an den Kölner Stammbetrieb. Nach dem Ende der DDR-Zeit erfolgte ein Eigentümerwechsel und kurz darauf die Liquidation. Damit endete auch endgültig die Bindung an Klosterfrau Köln. 


 Im Jahr 2007 erwarb die Stadt Greiz das ungenutzte Industriegelände.
Im Februar 2011 begann der Abriss.


Es wurde nicht nur das mehrgeschossige Fabrikationsgebäude aus der Gründerzeit dem Erdboden gleichgemacht, sondern auch der historische Gebäudeteil an der Marienstraße.


Im März 2011 präsentierte sich das Areal vom Standort auf dem
östlichen Schlossberg aus völlig geräumt.

Unmittelbar vor Ort stellte sich der Abrissplatz folgendermaßen dar:


Blick zur ehemaligen Marienschule


Durchblick vom Abrissgrundstück zur Marienstraße und zum Oberen Schloss


Blick in Richtung  → Knabenhort

Wieder einmal wurde in Greiz ein stattliches sehenswertes Gründerzeitgebäude,
das hätte erhalten werden können, ohne zwingende Notwendigkeit abgerissen.

Foto: Sammlung Schneider

Wir zeigen eine historische Ansichtskarte aus der Zeit um 1915. Es ist ein Blick vom Reißberg. Auf der Anhöhe ist die Ostseite des Oberen Schlosses zu sehen.
Rechts im Vordergrund steht die damals neu erbaute Marienschule.
Links ist das Klosterfrau-Fabrikationsgebäude zu sehen. Es war ein stattliches Gründerzeitgebäude, das durchaus in der Lage war, das Stadtbild positiv mitzuprägen.

Quellen:
* Schneider, Volkmar: Der historische Greizer Postkartenkalender 2014, Monat März,
Verlag Tischendorf Greiz
* Klein, Sven: Die Likörfabrik – zum endgültigen Ende eines Kapitels Greizer Stadtgeschichte.
In: Der Heimatbote, 4/2011

Stand  2014