(2.2.6)  Fürstlich-Reußisches Lehrerseminar

Anschrift: Greiz, Am Hainberg 1
Baujahr: 1883-1884, 1907 Anbau des Ostflügels
Bauherr: Fürst Heinrich XXII. Reuß ä.L.
Architekt: Fürstlicher Landbaumeister E. F. Oberländer, 1835-1891
Nutzung: Volkshochschule Greiz


Gesamtansicht aus südöstlicher Richtung. Rechts ist ein Anbau sichtbar.

 

 


Südfassade frontal 
Der Eingangsbereich zeigt großen Formenreichtum:
Sims zwischen den Etagen, überwölbte Tür- und Fensteröffnungen, besondere Form der schmalen Fenster zu beiden Seiten des Portals, spezielle Gestaltung der Oberlichter von Tür
und Fenstern, abwechslungsreicher Einsatz von gelb und rot. Die gleiche Unterteilung eines halbrunden, verglasten Bogenfeldes über einer Tür können wir an der Pohlitzer Kirche wieder finden. Genau wie hier ruht ein kleinerer Kreis auf zwei Halbkreisen.


Wir staunen, dass die über dem Portal angebrachte Tafel mit dem Jesuswort,
die Zeiten unbeschadet überstanden hat.


Vergrößerte Ansicht der Spruchtafel 
Detail der Südostecke mit Hauptgesims


Partie des Hauptgesimses in Nahaufnahme 


Linke Gebäudekante


Fensterpartie im ersten Stock


Ausschnitt Fensterwölbung


Rechte Gebäudekante, an der Ostfassade ist ein Risalit zu sehen.


Nordfassade von der Weberstraße aus gesehen. Direkt an dieser Fassade, durch eine Betonmauer abgestützt, verläuft die Gerichtsstraße. Links neben dem Bachsteinbau des Seminargebäudes schließt sich der Erweiterungsbau aus dem Jahre 1907 an. 
Nordfassade in näherer Ansicht. Wir sehen den hohen Natursteinsockel, auf dem das dreigeschossige Gebäude steht. Der Sockel gleicht das starke Gefälle des Baugrundes aus.
An der Südfassade, zur Straße „Am Hainberg“ hin, gibt es diesen hohen Sockel nicht. 


Partie des Natursteinsockels mit Haustür 


Fassadenpartie mit Sockel und Geländer an der Gerichtsstraße 


Sockel mit östlicher Tür, von der Gerichtsstraße her 


Sockel mit westlicher Tür 


Westliche Kante des Sockels 


Westliche Sockelkante in näherer Ansicht. Die Mauer ist mit unregelmäßig gehauenen Schieferblöcken verkleidet. Kanten und Fenstereinfassungen bestehen aus Sandstein .


Detail der westlichen Tür mit Oberlicht und gusseisernen Füllungsgittern.
Die Tür ist durch einen monolithischen Sandsteinblock überbrückt. 


Die Füllungsgitter in näherer Ansicht 


Überblick aus nordöstlicher Richtung von der Gerichtsstraße aus 


Fassadenpartie 1 


Fassadenpartie 2 


Dritte Etage der westlichen Gebäudekante mit Hauptgesims 


Hauptgesims in näherer Ansicht, zu sehen die mehrfach gestuft
auskragenden Backsteine, die Konsolen bilden. 


Fassadenpartie der dritten Etage und Hauptgesims von unten


Fensterpartie der zweiten Etage und darunter liegender Etagensims. Die originalen Fensterrahmen mit den dekorativen Oberlichtern sind hier noch vorhanden. 


Fenster der zweiten Etage mit Sims 


Etagensims zwischen erster und zweiter Etage


Fassadenpartie der ersten Etage 


Einzelfenster der ersten Etage


Fenstergruppe der ersten Etage, darunter Fensterbrüstungen,
Etagensims und ein Teil des Sockels 

 Foto: Söllner 2008, via Sammlung Schneider

Wir zeigen eine historische Aufnahme, die das Gebäude in seinem Urzustand zeigt. Das Gebäude steht auf allen vier Seiten frei. Rechts, an der Ostfassade, steht noch nicht der Anbau, der keine Verschönerung bedeutet. Die Ostfassade war mit einem stattlichen dreizügigen Mittelrisalit geschmückt. Das Haus zeigte sich damals in seiner ganzen vom Architekten geplanten Schönheit. 

Historische Aufnahme nach 1907 (SCHNEIDER)

Historische Aufnahme des Lehrerseminars von der Hainbergseite aus.
Diese Aufnahme ist nach 1907 entstanden, denn rechts der östliche Erweiterungsbau,
der nicht so richtig zum Hauptgebäude passen will, steht bereits. 


Einzelfenster mit Brüstung


Pfeiler zwischen zwei Fenstern mit schmückendem Verbindungsfries 


Etagensims und Fensterbrüstung 


Gebäudesockel, Sims zum Hochparterre und Parterrebrüstung

Man beachte die formenreiche Fassadengestaltung. Durch den Einsatz einfacher Mittel wurde ein lebhaftes Fassadenbild erreicht. Man sieht, dass dieser Fassadenabschnitt restauriert wurde. Die Fugen sind erneuert. Der Fugenmörtel ist getönt. Diese Farbgebung hat sich bewährt.
Es ist reizvoll, sich einzelne Partien des Gebäudes näher anzuschauen.

Landbaumeister Edmund Oberländer schuf eine Reihe öffentlicher Bauten in Greiz, die seitdem maßgeblich und in glücklicher Weise das Stadtbild mitbestimmen. Wir nennen insbesondere das Ida-Palais des Unteren Schlosses, das ehemalige Gymnasium in der Scheubestraße und den Neuen Marstall. Das Lehrerseminar steht städtebaulich nicht ganz so im Mittelpunkt wie diese Bauten. Aber auch mit diesem Gebäude am Hainberg ist ihm ein großartiges baukünstlerisches Werk mit gründerzeitlicher Ausstrahlung gelungen. Leider wurde das Bauwerk durch einen nachträglichen Anbau etwas beeinträchtigt. Die unverputzte originale Backsteinfassade ist aber ansonsten weitgehend unversehrt erhalten geblieben. Seine großartige Wirkung entfaltet das Gebäude, wenn man die Nordfassade von der Weberstraße aus auf sich wirken lässt. Es steht auf der Anhöhe des Bergsporns des Hainberges und wird von einem mächtigen Natursteinsockel abgestützt, der die Wirkung des Gebäudes unterstreicht.

Quellen:
Schneider, Volkmar: Der historische Greizer Postkartenkalender 2014 , Greiz, Verlag Tischendorf
Söllner, Rudolf: Die Entwicklung des Greizer Volks- und höheren Schulwesens.
In: 800 Jahre Greiz. Redaktion: Volkmar Schneider, Greiz 2008
Trummer, Horst: Gleitender Schulwechsel. Greizer Heimatkalender 2002, S.108-113, Hrsg.: V. Schneider

Stand 2019