(2.10.21)  Ehemalige Fürstlich-Reußische Reithalle

Anschrift: Greiz, Marstallstraße 6
Baujahr: 1870
Bauherr: Fürst Heinrich XXII. Reuß ältere Linie, Greiz
Architekt: Landbaumeister Edmund Oberländer
Jetzige Besitzverhältnisse: Öffentliche Hand
Nutzung: abgerissen

Dieser Beitrag zeigt historische Aufnahmen.
Die ehemals Fürstliche Reithalle wurde im Jahre 2016 abgerissen.


Schauten wir in die Breuningstraße in nördliche Richtung, sahen wir ein rein gründerzeitliches Bauensemble. Rechts befindet sich eine Gruppe stattlicher Wohnhäuser. Am Ende der Straße sehen wir ein Gründerzeithaus der quer verlaufenden Mollbergstraße. Links befindet sich der neue Marstall. Daran schloss sich etwas zur Straße vorspringend ein fensterloser Saalbau an.
Es war die ehemalige Reithalle. 


Durch den Eingangstrakt war die Reithalle mit dem Marstallgebäude verbunden.


Fassade der Reithalle in der Breuningstraße


Blick aus der Mollbergstraße in Richtung Westen. Wir sahen rechts den Giebel der Reithalle.


Reithalle, im Hintergrund das Obere Schloss


Nordgiebel der Reithalle, im Hintergrund das Obere Schloss


Reithalle mit Blick von der Mollbergstraße in Richtung Süden, links im Hintergrund der Marstall


Ansicht aus Richtung Marstallstraße mit östlicher Blickrichtung. Wir sahen rechts
das Marstallgebäude, links daneben die Reithalle. Man erkannte die Spuren eines
abgerissenen Anbaues und ein unsensibel eingefügtes Stahltor.


Reithalle vor der Kulisse der Bebauung der Breuningstraße


Giebel zur Mollbergstraße.
Wir sahen Mauerwerk aus gelbem Backstein und aus rotem Ziegel gemauertes Dekor.

Die ehemals fürstliche Reithalle machte nicht gerade einen erhebenden Eindruck. Zweckentfremdete Nutzung und bauliche Artefakte haben erhebliche Schäden angerichtet.
Man benötigte einige Phantasie, um sich den früheren Glanz des Gebäudes vorstellen zu können. Dennoch war eine erhaltenswerte und restaurierbare Grundsubstanz zu erkennen. Daneben waren  eine Reihe schmückender Details zu sehen, die von der früheren Schönheit kündeten.


Dreifarbiger gemauerter Dekorrhombus an der Giebelwand Mollbergstraße


Tor am Giebel Mollbergstraße


Detail der Toreinfassung Mollbergstraße. Die Einfassung wurde von Formsteinen begrenzt.


Prellstein am Tor


Blendöffnung an der Westseite


Lüftungsöffnung Breuningstraße


Fenster und Lüftungsöffnung Breuningstraße. Man beachte auch
die durchgehenden roten Dekorlinien auf dem gelben Grund der Fassade.


Dekordetails

Stand 2009

Die Fürstliche Reithalle befand sich in einem schlimmen Zustand. Trotzdem rechtfertigte es die vorhandene Bausubstanz, das Gebäude zu restaurieren und einer angemessenen Nutzung zuzuführen. Die Motivation hierfür ergab sich nicht nur aus dem Bestreben, das gründerzeitliche Architekturerbe in Greiz zu bewahren. Ein zusätzlicher Beweggrund war es, dass der Reitsaal Bestandteil des Residenzcharakters der Stadt Greiz war. Der Umstand, dass Greiz Residenzstadt war, wird bekanntlich in der Stadt allgemein bejaht, in die öffentliche Selbstdarstellung einbezogen und u.a. zum Anlass genommen, das diesbezügliche kulturelle Erbe zu erhalten und zu nutzen. Deshalb hofften wir auf bessere Zeiten für die Fürstliche Reithalle.

Obwohl kein unabweisbarer Grund vorlag wurde die Reithalle im Jahre 2016 abgerissen.  
Auf dem Bild ist rechts die nördliche Kante des Marstalles zu sehen. Hier schloss sich die Fürstliche Reithalle an. Heute ist hier der Durchblick zur Häuserzeile der Breuningstraße möglich.

Ansicht des Nordgiebels des Marstallgebäudes, der nunmehr frei steht, gesehen von der Breuningstraße aus. Man sieht noch die Umrisse des abgerissenen Anschlussgebäudes
zur Reithalle. 

Ehemaliger Standort der Reithalle. Nach erfolgtem Abriss ist von der Breuningstraße aus die Durchsicht zu den Häusern der Marstallstraße und zum Oberen Schloss möglich. 

Wir nehmen mit großem Bedauern zur Kenntnis, dass wieder einmal in Greiz ein wertvolles Gründerzeitgebäude vernichtet wurde. Die ehemals Fürstliche Reithalle war Bestandteil der Greizer Residenzarchitektur. Sie gehörte als historisches Gebäude zu den architektonischen Belegen für die Tatsache, dass Greiz eine fürstliche Residenzstadt war. Mit der Fürstlichen Reithalle hat man die Stadt eines unersetzlichen wertvollen Bauwerks beraubt.

Ein angemessener Umgang mit den historischen Merkmalen der ehemaligen Fürstenresidenz bedeutet nicht nur die Erhaltung der fürstlichen Schlösser und des fürstlichen Parks. Alles, was an das frühere regierende Fürstenhaus und seine Hofhaltung erinnert, dient der Veranschaulichung des Residenzcharakters. Erinnerungspunkte an die Mitglieder der Fürstenfamilie, historische Bezeichnungen, Baulichkeiten, die der Fürstenfamilie, dem Hof und der Landesregierung dienten, all dies zählt zum Residenzcharakter. Wenn die Stadt sich in ihrer Selbstdarstellung als ehemalige Residenzstadt bezeichnet, sollte sie mit den verbliebenen Residenzmerkmalen auch pfleglich umgehen.

Wer für monarchistische Nostalgie nichts übrig hat, sollte für ein anderes Argument zugänglich sein. Die Reithalle war das Werk eines der bedeutendsten Architekten, die in Greiz tätig waren, des ehemaligen Landbaumeisters Edmund Oberländer. Es ist völlig unverständlich, dass ein Werk dieses Meisters des Historismus abgerissen wurde.

Stand 2018