(2.6.4)  Grabanlage Familie Heinrich Schilbach

Heinrich Schilbach, auch Heinrich Schilbach sen. genannt, das ist Carl Heinrich Eduard Schilbach, Fürstlich Reußischer Kommerzienrat, 1828-1905

Heinrich Schilbach sen. war verheiratet in dritter Ehe mit Hedwig Schilbach, geb. Köllein, 1850-1908
1. Ehefrau Marie Listner, 1835-1371, 2. Ehefrau Emma Köllein, 1848-1874 (Quelle: M: Schilbach 1929).
Heinrich Schilbach sen. gründete im Alter von 22 Jahren im Jahr 1850 die Firma Schilbach & Co., Wollweberei
Im Jahre 1882 ließ er die Villa Heinrich Schilbach sen., Carolinenstraße 12 erbauen. Es ist eine der prachtvollsten Fabrikantenvillen in Greiz.
Nähere Angaben zu seinen vier Söhnen Robert, Heinrich jun., Friedrich und Carl sind im Beitrag zur Villa Heinrich Schilbach sen. zu finden. Ein weiterer Sohn, Max Heinrich Schilbach, 1890-1891, verstarb als Kleinstkind.

Es sind auch zwei weitere Töchter Heinrich Schilbachs sen. nachweisbar: 
Marie Elise Stapf, geb. Schilbach, 1855-1928, verheiratet mit Theodor Otto Stapf, Kaufmann und Fabrikbesitzer, 1845-1885
Johanna Anna Köhler, geb. Schilbach, 1858-1952, verheiratet mit Wilhelm Victor Köhler, Oberbürgermeister a.D. und Rechtsanwalt, 1844-1894

Die Grabanlage ist ganz im gründerzeitlichen Stil gehalten.
Im Mittelpunkt steht eine überlebensgroße Engelsfigur aus hellem Sandstein. Sie wird gerahmt von der Grabwand aus rotem Sandstein, die mit architektonischem Formenwerk geschmückt ist. Große schwarze Tafeln tragen in goldener Schrift die Namen der Verstorbenen.

Das Gesicht des Engels, seine ausgestreckte Hand mit einer Rose sowie der Faltenwurf des Gewandes verraten Meisterschaft.

Das Gesicht des Engels ist ausdrucksvoll und schön. Wir glauben, dass es eine künstlerisch wertvolle Arbeit ist.

Faltenwurf des Gewandes

Das Antlitz des Engels von vorn gesehen

Das Antlitz in näherer Ansicht

Dekor über der Grabtafel

Die teilweise sehr gut erhaltene Grabstätte lohnt einen Besuch. Familie Schilbach knüpft auch hier an ihre herausragenden Bauleistungen der Gründerzeit in Greiz an. Siehe auch u.a. Villa Heinrich Schilbach sen., Villa Ernst Schilbach, Firmensitz Schilbach & Co., Grabstätte Friedrich Schilbach.

Die Grabstätte im Überblick. Die Anlage ist aus rötlichem Sandstein gefertigt. In der Mitte befindet sich eine verdachte Nische. Dort steht auf einem Sockel die aus hellem Stein gefertigte Engelsfigur. Beidseitig wird die Engelsfigur von einer Mauerwand flankiert, die jeweils eine schwarze Namenstafel trägt. 


Konsole 


Sockel der Engelsfigur 

Verdachung der Engelsnische. Unter dem Tympanon ist der Schriftzug „Familie Heinrich Schilbach“ angebracht. Das Tympanon selbst ist mit Zahnleisten geschmückt und mit einem steinernen Kreuz bekrönt. 


Dekor mit Nabelsteinen 


Beschädigter Nabelstein 


Detail der Verdachung mit Zahnleisten


Rechte Kante der Verdachung 


Detail der linken Begrenzungssäule 


Detail einer Säule 

Sockel einer Säule 


Engelsfigur frontal in Gesamtansicht. Die Figur neigt leicht den Kopf und schaut nach unten. Ihr Haar ist mit einem fünfstrahligen Stern geschmückt. Das Haar wallt lang über die Schultern. In der linken, herabhängenden Hand hält sie einen aufrechtgestellten Palmenzweig. In der rechten Hand trägt sie eine Rose, die auf das Grab gelegt werden soll. Sie ist gekleidet in ein prächtiges, reich in Falten gelegtes Gewand. 


Die rechte Hand der Engelsfigur mit der dargereichten Rose frontal gesehen 


Hand mit Rose seitlich gesehen 


Rechter Unterarm und Falten des Gewandes an der rechten Seite der Figur 


Gewandfalten links 


Gesicht des Engels frontal 


Gesicht des Engels schräg von links 


Gesicht des Engels schräg von rechts 


Gestalt des Engels von links. Man beachte die bewegte Haltung der Figur und die vorgestreckte Hand, deren Bewegung meisterlich vom Bildhauer festgehalten wurde. 


Engel als Halbfigur, von links gesehen 


Brustbild des Engels mit dem gut erkennbaren Gesichtsausdruck. Das Gesicht zeigt traurigen Ernst, aber zugleich eine friedlich ruhige Stimmung ohne Affekt. Der Bildhauer zeigt hier seine Fähigkeit, komplizierte psychische Vorgänge darzustellen. Zugleich gelang es ihm, ein weibliches Gesicht von besonderer Schönheit zu gestalten. 


Der ausgestreckte Arm der Engelsfigur mit seinem eleganten Bewegungsschwung 
Die Figur des trauernden Engels ist ein meisterliches Kunstwerk. Der Name des Bildhauers ist uns noch nicht bekannt. Wir sind aber überzeugt, dass es ein bedeutender Künstler war.
Familie Schilbach, in deren Auftrag in Greiz zahlreiche anspruchsvolle Kunstwerke entstanden, bewies bei der Gestaltung dieser Grabanlage ein weiteres Mal ihren ausgezeichneten Kunstsinn.

Die gesamte Grabanlage mit der überlebensgroßen Engelsfigur und der prachtvoll geschmückten Grabwand aus edlem Naturstein ist künstlerisch hochwertig. Sie ist stilrein in der Formensprache der Gründerzeithistorismus errichtet. Das Grab scheint nicht mehr gepflegt zu werden. In Anbetracht des künstlerischen Niveaus der Anlage wäre es dringend erforderlich, sie zu schützen, zu erhalten und zu restaurieren. Die Grabanlage stellt einen wesentlichen Anziehungspunkt des Greizer Neuen Friedhofs dar. Zugleich erinnert das Grab an die bedeutende gründerzeitliche Greizer Fabrikantenfamilie Schilbach, die mit zahlreichen Baulichkeiten das Stadtbild von Greiz mitgeprägt hat und heute noch prägt.

Quelle: 
SCHILBACH, Margarete: Das vogtländische Geschlecht Schilbach, Görlitz 1929

Stand 2018