(2.10.3)  Haus Hermann Schilbach

Anschrift: Greiz, Carolinenstraße 24
Bauherr: Hermann Schilbach
jetzige Besitzverhältnisse: privat
Nutzung: Wohn- und Geschäftshaus

Haus Hermann Schilbach steht heute noch, aber von seinem gründerzeitlichen Charme hat es, was die Fassade betrifft, durch radikal glättende Rekonstruktionsmaßnahmen während DDR-Zeit so gut wie alles verloren.
Zu seinen besten Zeiten war das Haus, wie unser Startbild zeigt, ein prächtiges Gründerzeitgebäude mit zwei Balkonen im ersten Stock. Wir sehen sechs Fensterachsen. In der von rechts ersten Achse befindet sich die Haustür. Das Gebäude hat zwei Hauptetagen und oben eine niedrigere Mezzaninetage. Dem Verlauf der Carolinenstraße folgend hatte die Fassade zwischen zweitem und drittem Fensterzug von links einen charakteristischen Knick, der heute noch zu sehen ist. Die gesamte Fassade war verputzt. Im Erdgeschoss prägten Ritzblöcke das Erscheinungsbild. Besonders beeindruckend waren die beiden Balkone im ersten Stock. Sie wurden von mächtigen volutenförmigen Konsolen getragen und hatten kunstgeschmiedete Brüstungen. Dekorative Balkonpflanzen unterstrichen die Wirkung der Balkone. Im Obergeschoss wurde die Fassade durch Pilaster strukturiert, die zwischen den Fensterzügen verliefen. Eindrucksvoll war auch das Hauptgesims mit seinem Scheingebälk.


Ein zweites historisches Foto zeigt die Fassade schräg aus nördlicher Richtung gesehen. Wir sehen ehemalige Bewohner, die wir aber nicht identifizieren können. Die Balkone haben hier keinen Pflanzenschmuck.


Detail der Fassade mit der Zahnleiste am Etagensims


Hauptgesims, darunter Kapitelle der Pilaster


Anblick der Carolinenstraße aus südlicher Richtung. Wir sehen rechts das Eckgebäude Nr. 26, noch ohne den schräg gestellten Eckerker. Danach folgt rechts unser Haus Nr. 24.
Man erkennt den charakteristischen Knick in der Fassade.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme hat dort das Haus nur einen Balkon.


Der aktuelle Zustand des Gebäudes. Links beim Farbwechsel der Fassade befindet sich der Knick. Die Fassade ist ihres gesamten gründerzeitlichen Dekors entkleidet. Selbst die Tür- und Fensteröffnungen im Parterre haben ihre runden Bögen verloren. Es könnte sich bei dem Gebäude von außen betrachtet auch um einen Nachkriegsneubau handeln.


Linke Kante des Gebäudes. Es wurde ein Ladengeschäft eingebaut. Links in der Einfahrt sehen wir, dass es gartenseitig einen Gebäudeteil gibt, der nicht so radikal geglättet wurde, wie die Straßenfassade.


Das bestätigt sich auch bei Betrachtung der Gartenfront. Wir sehen eine Reihe von gründerzeitlichen Dekorelementen: Fenstereinfassungen, Sohlbänke mit Konsolsteinen, eine Verdachung mit Tympanon, Pilaster und dekorative Ritzfugen. Das alles vermittelt durchaus einen Eindruck von der gründerzeitlichen Gestaltung der Gartenfassade.


Zum Vergleich betrachten wir eine historische Aufnahme der Gartenfront: der rechte Gebäudeflügel noch nicht neu verputzt und trägt das gründerzeitliche einfacher gestaltete Rückfrontdekor.


Gartenfront mit Seitengebäude


Dekorative Ritzfugen


Im Garten befindet sich eine eiserne Laube, noch aus der Entstehungszeit der Hauses.


Im Treppenhaus haben sich schöne originale gründerzeitliche Fußbodenfliesen erhalten.


Rosette, eingefasst von einem achteckigen, sternförmigen Band


Rosette


Granitstufen des Treppenaufganges

Partien des prachtvollen Treppenaufganges mit den Granitstufen:


Blick von oben ins Treppenhaus


Treppenhausfenster


Detail des schmiedeisernen Geländers


Türbeschlag

Stuckpartien im Treppenhaus:


Treppe zum zweiten Obergeschoss:


Wir sehen, dass sich im Inneren des Hauses prachtvolle Teile der ursprünglichen gründerzeitlichen Ausstattung erhalten haben und gepflegt werden.
Wir finden ein Treppenhaus, dessen Schönheit man von außen nicht ahnt.


Abschließend zeigen wir noch ein historisches Foto, das die gründerzeitliche Carolinenstraße
im Bestzustand zeigt.
Rechts an zweiter Stelle erkennen wir Haus Hermann Schilbach mit den zwei Balkonen.

Wir danken Frau Brigitte Breyer, geb. Schuerz, Berlin und Herrn Dr. Heinz Bartsch, Halle (Saale), die beide früher in unserem Gebäude gewohnt haben, für wertvolle Informationen und die Überlassung von Fotos.

Wir danken ganz besonders Herrn Jens Umbeer, dem jetzigen Besitzer des Hauses, der uns erlaubte, im Treppenhaus und im Garten Fotos zu machen und uns ein historisches Foto der Carolinenstraße zu Verfügung stellte.

Quelle:
Blase: Greiz 1995-98 (siehe Impressum)

Stand 2011