(2.1.35)  Villa Karl Heinrich Schilbach

Anschrift: Greiz, Carolinenstraße 54
Bauherr: Karl Heinrich Schilbach
Baujahr: 1874 (BLASE 1995-98)
Nutzung: Wohnung


Karl Heinrich Schilbach, auch Heinrich Schilbach jun. genannt, 1863-1914, zweitältester Sohn des Heinrich Schilbach sen., 1828-1905.
Karl Heinrich Schilbach, Kommerzienrat, Wollwarenfabrikant, Mitinhaber der von seinem Vater gegründeten Firma Schilbach & Co., Wollwarenfabrikation, Greiz (WEICHBRODT 2012, SCHILBACH 1929)


Wir sehen ein stattliches, zweigeschossiges Gebäude mit fünf Fensterachsen. Der Mittelrisalit ist durch Balkone ausgezeichnet. Er ist durch eine zusätzliche Etage erhöht. Die Fassade ist verputzt. Das Dekor besteht zum größten Teil aus Stuck. Fassaden aus diesem Material sind oft nicht sehr gut erhalten. So auch hier. Aber man erkennt noch den großartigen Entwurf, zumal schwerwiegende, entstellende Eingriffe bisher erfreulicherweise unterblieben sind.
Hier einige Details:
Fenster im Erdgeschoss. Man beachte neben dem Fassadenschmuck die oben abgerundeten Ecken des Fensterrahmens sowie das speziell geschmückte Fensterkreuz.


Fenster im Obergeschoss. Aufwändige Verdachung, die auf Säulen ruht


Verdachung des Fensters. Die Verdachung trägt ein schönes Wasserwogenband.


Fensteranlage des Mittelrisalits mit Verdachung.


Verdachung der Fensteranlage.


Wir sehen zwei Atlanten als herkulische Träger, die neben den seitlichen Säulen die Verdachung stützen. Die Verdachung selbst ist mit einem prächtigen Blumen- und Rankenband geschmückt.


In der Mitte des Ornamentsbands thront die Figur eines Engels, der eine Früchteschale trägt.


Ornamenttafel, stark beschädigt, dicke Farbschichten entstellen den Originalzustand.


Drache als Konsole


Pilasterkapitell


Fenstereinfassung


Fensterpartie der Seitenfront. Man beachte auch die Fenstergitter.


Detail des Balkons

Das Gebäude hat mit seinem reichen und differenzierten Fassadenschmuck sicherlich einmal einen grandiosen Eindruck gemacht. Es bedarf einer sensiblen Restaurierung. Sie wird angesichts der Putz- und Stuckschäden nicht einfach sein. Bei der Farbauswahl sollte sehr dezent vorgegangen werden, damit der Eindruck der Überladenheit vermieden wird.Auch im heutigen Zustand ist das großartige Haus sehenswert.
Wir sind in der Lage, ein historisches Foto der Villa aus dem Jahr 1912 zu zeigen. Unschwer sind beim Vergleich mit den aktuellen Bildern gravierende Veränderungen an der Fassade zu erkennen:

Foto: Historische Aufnahme 1912, Sammlung Sven KLEIN

– im Gegensatz zum ursprünglichen glatten Putz wurde ein Rauputz aufgetragen
– von den Giebeln wurde Dekor entfernt
– die Pilaster wurden des Dekors entkleidet und überputzt
– die Hauptgesimse wurden geglättet.
Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass bei früheren Renovierungen Veränderungen vorgenommen wurden, die das Erscheinungsbild beeinträchtigen. Es wäre schön, wenn man das wertvolle Gebäude im Zuge einer Restaurierung seinem ursprünglichen Zustand wieder annähern könnte.

Im Jahre 2011 konnten erste Ergebnisse der Restaurierung bewundert werden:


Partie der südlichen Seitenfront


Einzelfenster mit Einfassung


Fensterbrüstung


Partie der Seitenfront schräg


Dekordetails


Teil der Haustür mit vier Füllungsfenstern

Im September 2014 nutzten wir die Gelegenheit, den weiteren Fortschritt der Restaurierung zu dokumentieren:


Gesamtansicht aus südwestlicher Richtung. Die Restaurierung der Fassade scheint abgeschlossen


Das Gebäude aus gleicher Richtung etwas näher


Fassade in näherer Ansicht


Bekrönung des Mittelrisaliten


Hermeskopf an der Bekrönung des Mittelrisaliten. Es handelt sich wohl um eine Stuckskulptur, die einen bronzenen Helm trägt.


Hermeskopf aus anderer Sicht


Symbolfigur der Fruchtbarkeit mit Gebinden aus Früchten am Obergeschoss des Mittelrisaliten


Symbolfigur aus anderer Sicht


Brustbild der Symbolfigur mit dem Gebinde aus Früchten


Gesicht der Symbolfigur


Mittelrisalit. Über den Fenstern der ersten Etage die Symbolfigur, darunter zwei Atlanten, die die Verdachung der Fenster tragen


Atlant als Träger der Verdachung


Gesicht des Atlanten mit Zipfelmütze


Obergeschoss des rechten Seitenflügels mit Fenster und Hauptgesims. Man sieht hier sehr gut die geschmackvolle farbliche Gestaltung der Restaurierung, die die Dekorteile von den glatten Flächen etwas dunkler abgesetzt. Der glatte Grundputz der Fassade wurde wiederhergestellt. Die Dekorteile wurden sorgsam gepflegt.


Weinlaubdekor auf der Konsole des Atlanten


Floraler Relieffries auf der Verdachung der Obergeschossfenster des Risaliten


Fensterpartie im erhöhten Teil des Risaliten


Links Atlant mit Weinlaubkonsole, rechts Säule mit Kapitell, darüber Verdachung mit Relieffries


Oberer Teil eines Fensters im Parterre des Risaliten, flankiert von Säulen. Darüber auf dem Architrav das Relief eines floralen Mäanderfrieses.


Parterrefenster des linken Seitenflügels. Man beachte über dem Oberlicht die Abrundung der Fenstereinfassung. Diese elegante Form der Fenstereinfassung wird selten gewählt, schön dass sie liebevoll erhalten wurde. Man beachte auch die Ziertafel mit Relief auf der Fensterbrüstung.


Einzelfenster des Obergeschosses, prachtvolle Einfassung mit Brüstung, Halbsäulen und Verdachung


Oberer Teil des Fensters, darüber Hauptgesims und Scheingebälk, rechts der Pilaster, der den Risaliten gegen den Seitenflügel abgrenzt, hat seine elegante Verzierung zurückerhalten.


Straßenfassade frontal gesehen. Man beachte den prachtvollen, um eine Etage erhöhten dreizügigen Mittelrisaliten und die beiden einzügigen Seitenflügel.


Parterre des Risaliten


Straßenfassade und nördliche Seitenfront


Nördliche Seitenfront. Einfahrt und Briefkastenanlage harren noch der Neugestaltung.


Nördliche Seitenfront ohne Sockel


Ziertafel einer Fensterbrüstung


Parterrefenster


Obergeschoss des linken Seitenflügels


Obergeschoss des linken Seitenflügels mit verändertem Blickwinkel


Parterre des Risaliten näher gesehen


Detail der Fensterverdachung am Obergeschoss des Risaliten


Nordwestliche Kante des Hauptgesimses am Mittelrisaliten


Kapitell eines Pilasters am Mittelrisaliten

Die Restaurierung hat ein hervorragendes Ergebnis erbracht. Hervorzuheben sind die Wiederherstellung der glatten Putzflächen, die Pflege des angegriffenen Dekors und die geschmackvolle Farbgestaltung. Die Fenster wurden zwar erneuert, so dass die originalen Rahmen nicht mehr vorhanden sind, die neuen Fenster wurden aber stilistisch angeglichen.
Dem neuen Besitzer und den von ihm herangezogenen Handwerkern sind Dank und Anerkennung auszusprechen. Eine gelungene, mit viel Liebe zum Detail vollzogene Restaurierung.

Wir danken sehr herzlich Herrn Sven Klein für die Erlaubnis, das historische Foto verwenden zu dürfen.

Quellen:
– Sven Klein. Greiz einst und heute. In: Der Heimatbote, Greiz 2010, Heft 11, S.41
– SCHILBACH, Margarete: Das vogtländische Geschlecht Schilbach, Görlitz 1929
– WEICHBRODT, Helga (geb. Schilbach), Aachen, persönliche Mitteilungen an den Autor 2012

Stand September 2014