(2.10.11)  Windrose im Pflaster

Ort: Greiz, Gerichtsstraße/Irchwitzer Straße

 


An der Stelle des Zusammentreffens von Gerichtsstraße und Irchwitzer Straße befindet sich ein spitz zulaufendes Stück Bürgersteig, das eine kleine geschützte Freifläche bildet. Dort konnten wir noch im April 2010 eine vierfarbig gestaltete reizvolle Windrose im Gehwegpflaster bewundern. Sie war aus kleinformatigen Pflastersteinen aus Basalt, Grünstein, Kalkstein und einem rötlichen Gestein geformt. Den äußeren Rand bildete ein doppelter Kalksteinring von geschätzt zwei bis drei Metern Durchmesser. Er umschloss einen achtstrahligen Stern. Die Buchstaben N,S,W und O bezeichneten die vier Himmelsrichtungen.


Die Windrose war zwar an der östlichen Seite beschädigt, in ihren wesentlichen Teilen befand sie sich jedoch einschließlich des umgebenden Gehwegpflasters aus Basalt in recht gutem Zustand. Die Beschädigungen hätte man ohne große Schwierigkeiten beheben können.


Aber man entschied sich anders. Die Windrose wurde weggeräumt und durch ein neutrales neuzeitliches Pflaster ersetzt. Auf unserem Foto sehen wir die städtebauliche Situation des ehemaligen Platzes der Windrose beim Zusammentreffen von Gerichtsstraße und Irchwitzer Straße.


Ehemaliger Platz der Windrose. „Originelle“ Pflasterung, die wohl jeder Besucher von Greiz auch in seiner eigenen Stadt finden kann. Ein Stück Globalisierung auf Greizer Bürgersteigen.

Während der Gründerzeit legte man beim Bauen großen Wert auf Verzierung und individuelle, unverwechselbare Gestaltung. Das war auch so bei Erschließungsbauten wie der Anlage von Gehwegen. Die Windrose an der Irchwitzer Straße war nicht unbedingt ein bedeutendes Kunstwerk, sie war aber ein schönes und liebenswertes Beispiel gründerzeitlicher Pflasterungskunst und trug zur Verschönerung des Stadtbildes bei. Jedes individuelle Gestaltungselement trägt dazu bei, das unverwechselbare Gesicht einer Stadt auszuprägen und deren Anziehungskraft zu erhöhen. Wenn man sich ohne Notwendigkeit von derartigen örtlichen Gestaltungselementen trennt, ist das ein kleiner Beitrag, das Erscheinungsbild eines Ortes zu nivellieren und damit uninteressant zu machen.
In Greiz werden nicht nur schöne und erhaltenswerte Gründerzeitgebäude abgerissen. Auch schöne alte Erschließungsbauten verschwinden und weichen gesichtsloser neuzeitlicher Standortgestaltung.

Stand 2011