(2.10.10)  Fürstliches Jagdschloss Ida-Waldhaus

Anschrift: 07987 Mohlsdorf, OT Waldhaus bei Greiz
Bauherr: Fürst Heinrich XXII. Reuss ä.L., 1846-1902
Namensgeberin: Fürstin Ida Reuss ä.L., geb. Prinzessin von Schaumburg-Lippe,
Gemahlin Heinrichs XXII., 1852-1891
Baujahr: 1873
Architekt: Landbaumeister Edmund Oberländer, Greiz
Bauausführung: Maurermeister Heinrich Hoffmann, Greiz  -> Villa Gustav Wagner
Nutzung: seit 1902 nicht mehr als Jagdschloss genutzt, u.a. Nutzung durch Forstverwaltung, Genesungsheim, Gaststätte; Hauptteil abgerissen, seit etwa 1995 Leerstand der restlichen Baulichkeiten

Foto: Sammlung Schneider

Das Jagdschloss Heinrich XXII. war ein sommerlicher Landsitz. Die zweigeschossige Hauptfassade zwischen den beiden Türmen wurde durch drei giebelbekrönte Risalite beherrscht. Im mittleren Risalit befand sich das Portal, welches durch eine vorgelagerte Freitreppe erreicht wurde. Rechts lehnte sich in das Gebäude ein schlankes dreigeschossiges Türmchen mit Aussichtsplattform an. Links befand sich ein ebenfalls dreigeschossiger breiterer Turm mit quadratischem Grundriss, der erst im Jahr 1898 errichtet wurde. An den Turm schloss sich, im rechten Winkel zum Haupttrakt, ein weiterer Gebäudeflügel an, von dem auf unserem Bild nur ein Stück des Daches zu sehen ist.
Vor dem Jagdschloss befand sich eine Freifläche, die mit Ziergehölzen geschmückt war. Hinter dem Schloss erstrecken sich ausgedehnte Forsten, in denen der Fürst der Jagd oblag.


Ein vergrößerter Ausschnitt unseres Startbildes vermittelt einen Eindruck von der heiter-verspielten Architektur des fürstlichen Anwesens in der waldreichen Umgebung der ehemaligen Residenzstadt Greiz.

Foto: Georg Herz

Historisches Foto des Jagdschlosses: gut zu erkennen ist der Mittelrisalit mit Portal und Freitreppe. Im Obergeschoss sehen wir eine dreifach verkoppelte Fensteranlage.
Rechts der Turm mit Aussichtsplattform.


Der markanteste Teil des ehemaligen Jagdschlosses, der erhalten ist,
ist der quadratische Südostturm.


Er ist zwar stark überformt, aber noch zu erkennen. Der sich rechts
anschließende Haupttrakt des Jagdschlosses existiert nicht mehr.


Die Reste des Jagdschlosses aus südlicher Richtung. Rechts der charakteristische Südostturm. Den Haupttrakt des früheren Jagdschlosses muss man sich hinter dem Turm, von ihm verdeckt, vorstellen. Links vom Turm sehen wir einen lang gestreckten Bau, den es in ähnlichen Dimensionen auch zu Zeiten des Jagdschlosses gegeben hat. Dieser westliche Flügel bildete mit dem Haupttrakt die Form eines Dreiecks, an dessen Spitze der quadratische Turm stand. Der Westflügel ist stark überformt.


Was vom alten Jagdschloss hier noch original vorhanden ist, ist schwer zu erkennen. Bestenfalls sind es die Grundmauern. Immerhin lässt das Bild eine entfernte Ahnung vom Aussehen der südlichen Front des Jagdschlosses zu.


Südseite des Turmes, links sich anschließend ein Teil des Westflügels.
Die Fensteröffnungen des Turmes wurden verändert. Gründerzeitliches Fassadendekor fehlt.


Der Turm aus südwestlicher Richtung. Wir sehen schönen alten Baumbestand.


Nähere Ansicht des Turms aus südwestlicher Richtung


Turm mit Anbau aus Richtung Nord


Teil des aus unregelmäßigen Schieferblöcken geformten Sockels. Der Naturstein wurde mit Fassadenfarbe bedeckt.


Sockel und Kellerfenster mit Graniteinfassung


Kellerfenster. Der monolithische Granitsturz hat dem Druck nicht standgehalten.
Eine Stahlplatte wurde zur Abstützung eingezogen.

Waldhaus hat auch andere Anziehungspunkte. Wir nennen die romantische Lage im Wald, die reizvollen Wanderwege, die zu ihm hinführen, das Tiergehege, gepflegte ländliche Gastlichkeit und nicht zuletzt die gründerzeitliche Fürstliche Gruftkapelle Heinrich XXII., die restauriert wurde und zu besichtigen ist. Trotzdem ist es bedauerlich, dass von dem Fürstlichen Jagdschloss Ida-Waldhaus so wenig übrig geblieben ist.

Wir danken Frau Ute Rothe, Waldhaus bei Greiz, für freundlich gewährte Unterstützung. Sie gab uns wertvolle Informationen und stellte uns Bildmaterial zur Verfügung.

Quellen:
Schneider, Volkmar : Der historische Greizer Postkartenkalender 2011, Greiz,  VerlagTischendorf
Herz, Georg : Greiz in alten Ansichten. Zaltbommel, Niederlande 1991

Stand 2011