(2.3.6) Fürstliches Mausoleum in Ida-Waldhaus

Anschrift: 07987 Mohlsdorf, OT Waldhaus bei Greiz
Baujahr: 1878-1883
Bauherr: Fürst Heinrich XXII. Reuss ältere Linie
Architekt: Landbaumeister Edmund Oberländer
Zweckbestimmung: Begräbnisstätte für Fürst Heinrich XXII. Reuss ä.L. und die fürstliche Familie

 Fürstliche Gruftkapelle in Ida-Waldhaus

Unser Startbild zeigt aus südlicher Richtung die gründerzeitliche Kapelle, errichtet in neugotischen Formen, umgeben von Wald nahe der mitten im Wald gelegenen kleinen Ortschaft Ida-Waldhaus.
Das Gebäude ist verputzt, die Öffnungen sind mit Naturstein eingefasst.

Die Kapelle aus gleicher Richtung etwas näher.

Ansicht aus südwestlicher Richtung.

Aus gleicher Richtung etwas näher. Wir sehen den der Westfassade vorgelagerten Portikus mit dem großen Portal.

Südwestansicht aus der Nähe. Über dem Portikus befindet sich ein aus Naturstein gefertigter kleiner Glockenstuhl. Obwohl das Portal sich leicht erhöht über dem Sockel öffnet, wird es nicht durch eine Freitreppe erschlossen, sondern durch einen leicht ansteigenden Weg.

Stützpfeiler an der Südwestecke

Portal

Oberer Teil der Portalöffnung

Zweiflügelige Tür

Westgiebel

Steinernes Bekrönungskreuz auf dem Westgiebel

Glockenstuhl über dem Portikus

Blendfenster

Dreizügige Fensteranlage an der Nordwand

Sockel mit Fenstern des Unterbaus

Nach Osten weisender Chor, oberer Teil

Chor, unterer Teil

Einzelnes Chorfenster

Detail des Chores mit Stützpfeiler

Ansicht der Kapelle von Osten

Dreizügige Fensteranlage an der Südwand der Kapelle

Wir konnten vorerst das Innere der Kapelle nicht betreten. Einer neben der Kapelle aufgestellten Schautafel entnehmen wir ein Bild des Altarraumes. Wir sehen den steinernen Altar mit Kreuz. Die Innenwände einschließlich der Wölbungen sind in Naturstein ausgeführt.

Foto: Touristinformation Greiz

Baugeschichte
Fürst Heinrich XXII. Reuss ä.L. war als regierender Fürst zugleich Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Landeskirche im Fürstentum Reuss ä.L. Während seiner Regierungszeit (1867-1902) initiierte er die Errichtung von vier großen gründerzeitlichen Kirchenbauwerken. Kirche in Pohlitz, Kirche in Aubachtal, Kirche in Hermannsgrün, und die Fürstliche Gruftkapelle in Ida-Waldhaus, die sein erster Kirchenbau war, erbaut 1878-1883.

Foto: Touristinformation Greiz

Den Bau seiner Gruftkapelle gab er als relativ junger Mann im Alter von 32 Jahren in Auftrag (KLEIN o.J.) Bereits mit diesem Bauwerk setzte er qualitative Maßstäbe. Jeder seiner Kirchenbauten ist ein bemerkenswertes, individuell gestaltetes Beispiel gründerzeitlicher Sakralbaukunst. Und auch seine Profanbauten erfüllen seine hohen ästhetischen Ansprüche. Siehe auch Landkrankenhaus, Ida-Palais und Neuer Marstall.
Als erstes Mitglied der fürstlichen Familie wurde die jung verstorbene Fürstin Ida, Gemahlin des Fürsten Heinrich XXII, eine geborene Prinzessin von Schaumburg-Lippe im Jahre 1891 in der Gruftkapelle beigesetzt (KLEIN o.J.)

Foto: Tourist- information Greiz

Als Fürst Heinrich XXII. im Jahre 1902 sechsundfünfzigjährig verstarb, wurde er neben seiner Gemahlin in der Gruft der von ihm erbauten Kapelle in Ida-Waldhaus seinem Wunsch entsprechend bestattet.
Die dritte und letzte Bestattung fand 1927 statt. Der Verstorbene war Fürst Heinrich XXIV., letzter regierungsunfähiger männlicher Spross des Fürstenshauses Reuss ä.L.
In der DDR-Zeit verfiel die Gruftkapelle und wurde geplündert. U.a. gingen die wertvollen farbigen Bleiverglasungen der Fenster verloren. Die beigesetzten Fürstlichkeiten wurden eingeäschert. Seit 1997 haben die drei Urnen einen würdigen Platz in der Stadtkirche St. Marien in Greiz.
Von 1994 bis 1997 wurde die beinahe zur Ruine gewordene Gruftkirche rekonstruiert. (KLEIN o.J.) Sie befindet sich heute wieder in einem baulich sehr gutem Zustand und kann außen wie innen besichtigt werden.

Wir freuen uns, dass ein schönes und wertvolles gründerzeitliches Sakralgebäude, das in besonderer Weise mit Fürst Heinrich XXII. Reuss ä.L. und dem ehemals regierenden Fürstenhaus Reuss ä.L. verbunden ist, wieder hergestellt und vor dem endgültigen Verfall bewahrt wurde.

Wir danken Frau Ute Rothe, 07987 Mohlsdorf, OT Waldhaus bei Greiz für freundliche Unterstützung und für Bereitstellung von Informationsmaterial.

Quellen:
KLEIN, Sven: Mausoleum in Waldhaus bei Greiz, Faltblatt der Stadtverwaltung Greiz (ohne Jahreszahl)
Sichttafel der Touristinformation Greiz an der Gruftkapelle in Ida-Waldhaus

Stand 2011