(2.1.34)  Villa Paul Arnold

Anschrift: Greiz, Carolinenstraße 32
Bemerkungen: denkmalgeschützt (Baubeschreibung Makler Scott, Plauen)
Nutzung: Leerstand
Baujahr: um 1856 (OBERFOELL 2014)
Bauherr: Baumeister Ullrich

Baumeister Ullrich gab das Gebäude bald nach Fertigstellung auf und verzog um 1858 nach Oelsnitz. Im Jahr 1858 ging das Anwesen in den Besitz der Fabrikantenfamilie Arnold über. Es wurde erworben durch den Senior der Familie, Friedrich Arnold. Friedrich Arnold war Gründer der Firma Friedrich Arnold, Woll- und Seidenweberei GmbH, Greiz, Plauensche Straße 2a, siehe Firmensitz Arnold.

Friedrich Arnold war Vater von Ernst, Ferdinand und Paul Arnold.
-> Villa Ernst Arnold, -> Villa Ferdinand Arnold, -> Sommerhaus Paul Arnold, -> Grabanlage Familie Paul Arnold, -> Arnold-Stift, -> Knabenhort, -> Ehemalige Kinderkrippe.
Die Söhne Friedrich Arnolds führten die Firma Arnold erfolgreich weiter. Senior Friedrich Arnold hatte seinen Stammsitz in der Siebenhitze 14. Das Haus Siebenhitze Nr. 14 steht noch. Es befindet sich, erhöht über der Straße, angelehnt an die Ausläufer des Reißberges.

Das Gebäude ist stark überformt und geglättet. Zuletzt wurden Isolationsplatten an der Fassade angebracht, so dass nichts mehr von der früheren Fassadengestaltung zu erkennen ist. Darüber hinaus wurden neuzeitliche Fenster mit großflächigen Scheiben für die ganze Fensteröffnung eingebaut. Eine moderne Stützmauer für die Böschung mit großer zweiseitiger Freitreppe zur Haustür vervollständigt das Bild. Einen Eindruck vom historischen Aussehen des mindestens 150 Jahre alten Hauses kann man nicht mehr gewinnen.

Dass es sich um ein altes Gebäude handelt, sieht man an dem historischen Sockel aus Schieferbruchstein. Man kann nur hoffen dass er nicht verputzt wird. Er könnte durchaus eine dekorative Komponente sein.

Auch eine kleine Dachgaube kündet noch von alten Zeiten.

Wir zeigen noch eine Fassadenpartie. Schade, dass das Gebäude sein Gesicht verloren hat.

Immerhin ist es interessant, Reste des Hauses zu sehen, das Ausgangsort der nachmals in Greiz einflussreichen Familie Arnold war.

Wir können eine kleine historische Lithografie des Stammhauses Arnold zeigen, die belegt, dass wir das richtige Gebäude im Auge haben:

Foto: Sammlung Rudolf, Ausschnitt

Auf einer Rechnung aus dem Jahr 1940 sehen wir Abbildungen der Firmengebäude der Firma Friedrich Arnold.

Foto: Sammlung Rudolf, Ausschnitt

Grafik mit den Fabrikanlagen. In der Mitte unten wird das Stammhaus abgebildet. Mit seinen sieben Fensterzügen und der Freitreppe ist es als Haus Siebenhitze 14 zu erkennen, das wir als Stammsitz der Familie Arnold vorgestellt haben.

Foto: Sammlung Rudolf, Ausschn.

Die Grafik des Stammhauses Arnold in näherer Ansicht

Doch zurück zur Villa Carolinenstraße 32.

Zu dem neuen Anwesen Carolinenstraße 32 erwarb Friedrich Arnold noch im Jahr 1860 das Grundstück Oststraße 22 und ließ dort Baulichkeiten errichten zu Wohn- und Fabrikationszwecken. Die Grundstücke Carolinenstraße 32 und Oststraße 22 hatten rückwärtig Berührung und waren über Garten und Hof erreichbar.
Nach dem Tod des Vaters Friedrich Arnold übernahm im Jahr 1878 Sohn Paul Arnold, Kaufmann, Mitbesitzer der Firma Friedrich Arnold, Geheimer Kommerzienrat, 1856-1928, die Villa Carolinenstraße 32. (BLASE 1995-98) Daneben besaß er die Sommervilla Leonhardtstraße 64. Villa Carolinenstraße 32 verblieb bis zum Jahr 1994 im Familienbesitz. (OBERFOELL 2014)

Villa Paul Arnold verfügt über ein Obergeschoss und sieben Fensterzüge. Ein Eingang ist straßenseitig nicht vorhanden. Er befindet sich rechts in der Einfahrt.
Das Gebäude steht leer. Die Fassade ist dringend erneuerungsbedürftig.
In der unteren Etage sehen wir einen ehemals glatten Putz mit geritzten Blöcken. Die Fenstereinfassungen sind noch vorhanden.


Im Obergeschoss wurden die Einfassungen und Verdachungen der Fenster entfernt und eine geglättete Putzversion erstellt. Anhand der Farbunterschiede auf dem Putz kann man noch die Umrisse der Einfassungen und Verdachungen erkennen. Diese Überformung und Glättung der Fassade stellt eine wesentliche Beeinträchtigung des glanzvollen Gebäudes dar. Bei einer möglichen Rekonstruktion sollte unbedingt angestrebt werden, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen.
Unter dem Hauptgesims verläuft über die gesamte Breite der Fassade ein Ornamentband. Zwischen den beiden Etagen sehen wir einen verzierten Etagensims.

Die Parterrefenster mit ihren Einfassungen, die wohl aus Stuck bestehen. Darüber der Etagensims. Die Fassade ist in neuerer Zeit gestrichen worden. Dieser Anstrich hat unschöne Spuren hinterlassen. Zum großen Teil hat er sich vom Untergrund gelöst.

Detail der Fassade. Wir sehen die Ritzblöcke im Putz und die abgeplatzte Farbe.

Zwei Fenster der oberen Etage über dem Etagensims. Wir sehen die geglätteten Fenstereinfassungen. Die Fensterkreuze sind noch original vorhanden.

Ornamentband unter dem Hauptgesims. Das Band wird von Rosetten unterbrochen.

Die Rosetten im Ornamentband verdecken Lüftungsöffnungen. Sie sind in das Ornament integriert.

Blick in die Einfahrt rechts vom Gebäude. Im Hintergrund der Garten. Über dem Portal ein verglastes Vordach mit schmiedeeiserner Abstützung.

Das Vordach in Nahaufnahme

Rechte Abstützung des Vordaches mit ihren elegant geschwungenen schmiedeeisernen Verstrebungen

Linke Abstützung des Vordaches

Vordach mit Aufhängung

Zweiflügelige Haustür

Reste des Türklopfers

Füllungsgitter

Einzelfenster der rechten Seitenfront

Ansicht der Villa von der Gartenseite her. Wir sehen links den Gebäudetrakt der Straßenfront, der mit seiner Giebelseite zur Einfahrt weist. Neben dem Eingang sehen wir das in einem Erker vorspringende Treppenhaus, das mit einer Turmhaube bekrönt ist.
Die Gartenfassade zeigt sich mit einem großen Ziergiebel. Darunter springt im Obergeschoss ein halbkreisförmiger Wintergarten vor, der auf Säulen ruht. Unter dem Wintergarten bietet sich zwischen den Säulen eine überdachte Terrasse dar.

Einfahrt und Gartenseite etwas näher

Dachregion mit Haube des Treppenhauses. Das Ornamentband der Straßenfront setzt sich an den übrigen Seiten des Gebäudes fort.

Konsolen des Treppenhauserkers

Die nach Osten gewandte Gartenfront mit Ziergiebel und Wintergarten

Der östliche Ziergiebel mit Voluten als Bekrönung und beidseitig zur Überleitung der senkrechten Begrenzung in die waagerechte Linie des Hauptgesimses, ganz oben fehlt wohl ein Obelisk.

Bekrönung des Giebels

Der Wintergarten. Wir sehen gusseiserne Säulen, geschmückt mit Löwenhäuptern.

Löwenhaupt am Wintergarten

Wir sahen eine großartige Gründerzeitvilla. Dieses leer stehende Gebäude hat sehr gelitten. Nach sensibler Restaurierung bei Erhaltung des gründerzeitlichen Flairs könnte es wieder zu einem der zahlreichen architektonischen Glanzpunkte der Carolinenstraße in der Greizer Neustadt werden, der es einmal war.

Quellen: 
BLASE, Hubertus: Dokumentation zur Bebauung Greiz 1995-98, unveröffentl., Bauamt Greiz
Maklerbüro SCOTT, Plauen@2013
OBERFOELL, Ingrid, Enkelin von Paul Arnold, persönliche Mitteilung, Aachen 2014
RUDOLF, Gottfried, Sammlung: Rechnung der Firma Friedrich Arnold vom 9. April 1940

Stand Februar 2016